Befreiung geschieht – ohne ein Ich

Befreiung geschieht – ohne ein Ich

Im Gespräch mit Richard Sylvester

Trockener britischer Humor und kein Blatt vor den Mund: Richard Sylvester ist ein Advaita-Lehrer der besonderen Art. „Erleuchtung“, „Befreiung“, „Erlösung“ – das sind für ihn keine Heiligkeiten. Hat er doch am eigenen Leibe erfahren, dass es sich damit total anders verhält als üblicherweise angenommen. Erstmals kommt Richard Sylvester nach Deutschland. Ein Interview zur Einstimmung.

Richard, du sagst, du seiest „befreit“ …

Halt, ich bin es nicht, der befreit ist …

Wer sonst?

Niemand. Befreiung geschieht, ohne ein Ich. Das ist ja gerade der Witz.

Was geschah dir, im Moment der Befreiung?

An einem warmen Sommerabend in der U-Bahn in London verschwindet urplötzlich und vollständig dieses Ich-Gefühl. Alles bleibt wie vorher – Leute, Züge, Bahnsteige, tausenderlei Dinge. Aber alles wird zum ersten Mal ohne eine Person gesehen, die all das vermittelt oder interpretiert.

Das muss fantastisch gewesen sein!

Quatsch. Alles ohne Lichtblitze, ohne Feuerwerk, nichts von dem bunten Gestrudel eines LSD-Trips. Und doch das ultimative „Wow“. Hast du schon mal einen ganz gewöhnlichen Bahnhof ohne jegliches Ich-Gefühl gesehen? In dem Moment wird das Gewöhnliche als das Außergewöhnliche gesehen.

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