NEUROPLASTIZITÄT
Wie unser Bewusstsein das Gehirn verändert
Auf Einladung des Mind and Life-Instituts trafen sich im Oktober 2004 im indischen Dharamsala führende westliche Wissenschaftler und buddhistische Meditationsmeister zu einem Symposium unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama. Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen: Inwieweit können Gedanken, Emotionen und Bewusstseinszustände auf Gehirn und Nervenzellen Einfluss nehmen? Kann sich das Gehirn verändern? Und wenn ja, welche geistige Kraft wäre dazu imstande? Noch bis vor wenigen Jahren galt allgemein die wissenschaftliche Lehrmeinung, dass im Säugetiergehirn keine neuen Nervenverbindungen mehr geknüpft werden, sobald es einmal ausgewachsen ist. Die bereits bestehenden Verbindungen blieben damit unveränderbar. Dieser Annahme folgen immer weniger Wissenschaftler, denn „Forscher wissen schon seit Jahrzehnten, dass das Gedächtnis seinen physiologischen Ausdruck in der Bildung neuer und der Verstärkung bereits bestehender Synapsen (Verbindungspunkte zwischen Neuronen) findet“, so die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Sharon Begley, die in ihrem neuen Buch Neue Gedanken, neues Gehirn die aktuellen Erkenntnisse zur Neuroplastizität zusammengetragen hat.
Wie Fußabdrücke im Sand, so hinterlassen auch alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, alle Fähigkeiten, die wir erlernt haben, und alle Handlungen, die wir ausgeführt haben, ihre Spuren im Gehirn.
Kontroverse Diskussion
Die Diskussion um die so genannte Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Nervensystems, Struktur und Funktion abzuwandeln und damit Bereiche im Gehirn zu verändern, wird jedoch kontrovers geführt. Während die einen die Macht der Gedanken als „Meilenstein“, „Paradigmenwechsel“ oder gar als „Revolution“ feiern, die sie als eine Art Allheilmittel ansehen, sprechen die anderen von Missverständnissen oder gar von Blödsinn. Was ist also dran an der Neuroplastizität? Wenn das Gehirn fähig ist, sich neu zu verdrahten, könnte man auf diese ...
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