Sakrileg - Der DaVinci Code
Die spirituelle Bedeutung des Bestsellers von Dan Brown
Das Buch hat sich weltweit 50 Millionen Mal verkauft, die im Mai angelaufene Verfilmung sahen allein in Deutschland am ersten Wochenende fast 2 Millionen, in Japan standen die Leute 12 Stunden Schlange vor den Kinos. Sicher, die Werbetrommel wird immer effektiver gerührt, die Medien haben geholfen, die Proteste der Kirchen ebenso. Buch und Film werden als Thriller vermarktet. Doch die Spannung entsteht hier nicht nur durch die Dramaturgie, durch vorwärts getriebene Handlung und überraschende Wendungen. Sie ist eng verbunden mit der Botschaft. Und die ist auf vielen Ebenen brisant: gesellschaftlich ebenso wie für jeden Einzelnen. Sie ist spirituell in einem tieferen Sinn, der von den Medien bisher allenfalls gestreift wurde.
Umdeutungen
Der Titel der Originalausgabe lautet: „The Da Vinci Code“. Die deutsche Buchausgabe ist mit „Sakrileg“ überschrieben. Beide Titel treffen die Sache, doch „Sakrileg“ geht tiefer. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen: sacrilegium = Tempelraub. Sacer bedeutet heilig und legere bedeutet sammeln, lesen oder auch stehlen. Mit „Sakrileg“ wird in Europa seit dem 16. Jahrhundert ein Vergehen gegen die Heilige Kirche bezeichnet. Eine Gotteslästerung, die nicht selten mit einem qualvollen Tod bestraft wurde. Dan Brown wäre mit seiner Botschaft im 16. Jahrhundert sehr wahrscheinlich auf dem Scheiterhaufen gelandet. Allerdings: Es ist nicht seine Botschaft, wie er auch in seinem Buch deutlich macht, sondern es handelt sich um ein „Wissen“, das in etlichen Geheimgesellschaften und Orden seit dem frühen Mittelalter bis heute vermittelt wird. Eine neue Religion, die sich gegen eine alte durchsetzen will, verbietet – so lässt Brown seinen Helden Robert Langdon erklären – meist nicht einfach nur die alten Symbole und Rituale, sondern nutzt sie im Rahmen ihrer Ideologie, ihres Glaubens und deutet sie um. Das Christentum bietet dafür viele Beispiele. Aus dem Tag der Anbetung des Sonnengottes machte der römische Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert den Sonntag (mit obligatorischem Kirchenbesuch). Aus der von vielen „Heiden“ (Germanen, Kelten etc.) gefeierten Wintersonnenwende wurde die Geburt Jesu. Weihnacht. In „Sakrileg“ ist vor allem eine Umdeutung wichtig: In allen frühen Kulturen spielte das weibliche Prinzip und damit die Frau eine zentrale Rolle. Sie repräsentierte Fruchtbarkeit, den Fortbestand, das Leben selbst. Das Weibliche wurde als Göttin verehrt. Wer konnte im Rahmen der Kirche an ihre Stelle treten? Die Mutter von Jesus, Maria. Sie diente als Ersatz für die Göttin. Doch ihre Fruchtbarkeit musste von jeglicher Assoziation mit Sexualität befreit werden. Warum, werden wir gleich sehen. Laut Bibel wurde ihr Kind Jesus jedenfalls vom Geist Gottes eingehaucht, nicht durch Sperma gezeugt.
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