Die spirituelle Entwicklung in den zwölf Tierkreiszeichen (Teil 2)
„Die Beschäftigung mit einer spirituell orientierten Astrologie kann Transformationsprozesse auslösen, die viel tiefer reichen als das rein analytische Charakterisieren der Persönlichkeit mit Hilfe des Horoskops. Im Folgenden werden wir die Tierkreisqualitäten von diesem Gesichtspunkt aus aufrollen.“ – Nach den typischen Wandlungskrisen und -zielen der Zeichen Widder bis Krebs (VISIONEN 5/05) hier nun der Entwicklungsweg der Zeichen Löwe bis Fische.
LÖWE
Vom „Strahlemann“ zum Lichtbringer
Der Löwe wird exoterisch wie esoterisch von der Sonne beherrscht. Sein normalerweise dominierendes Selbstgefühl wurzelt im Bewusstsein des eigenen Wertes. Darum versucht er, Eindruck zu machen, um beliebt zu sein und Einfluss auszuüben. Sitzt sein Herz am rechten Fleck, billigt man ihm diese Führungsrolle zu. Wird er aber von falschem Stolz, Egoismus und Überheblichkeit beherrscht, verhärtet das echte Selbstgefühl, die Strahlkraft erlischt. Dann wird er auch von anderen abgelehnt, worunter er sehr leidet. Die Sonne als doppelter Herrscher verlangt die Transformation und Entfaltung der Herz- und Sonnenkraft. Der Löwe muss die Sensitivität des Herzens, die wahre Liebe kultivieren – für seine Mitmenschen, Partner, Kinder, Angehörigen, ja die ganze Menschheit. Wartet er stolz, dass die anderen ihm dankbar huldigen, bringt er sich in immer größere Isolation, welche die Läuterungskrise hervorruft. Sie erfordert die Integration der geistigen Wassermann-Qualität: die Entwicklung einer Ethik der Menschlichkeit, wo er sich statt als Mittelpunkt der Welt als Teil des Ganzen erkennt. Diese schwierige Lektion erfordert Ehrlichkeit gegen sich selbst, das Herabsteigen vom eigenen Thron, den Verlust der so genannten Ehre und die Bereitschaft, sich aus Liebe, Menschlichkeit, Fairness zu ändern. Die esoterische Sonnenkraft strahlt von innen nach außen und bringt das schöpferische Prinzip zu höchster Entfaltung. Geistig gesehen wird der Löwe durch sie zum belebenden Lichtbringer für seine Umwelt und zur Stütze für Schwächere.
Religions veranstaltet Friedenstagung in der UNODer esoterische Planetenherrscher wirkt auf der Ebene des Bewusstseins – aber nur, wenn wir angefangen haben, bewusst zu leben und geistig orientiert zu sein.
JUNGFRAU
Vom Weltverbesserer zum Diener des Lebens
Dieses Zeichen steht auf dem veränderlichenKreuz; es verkörpert das kosmische Prinzip von Liebe, Helfen und Dienen. Die Jungfrau ist immer dabei, die Welt in Ordnung zu halten. Ihr traditioneller Herrscher ist Merkur, ihr esoterischer der Mond. Das Temperament der Erde gibt der Jungfrau praktischen Sachverstand, Merkur nüchternen Realismus. Überwiegt jedoch das zweckgebundene, formalistische, analytische Denken des Merkur, konzentriert sich die Jungfrau auf negative Äußerlichkeiten und wird kleinlich und kritiksüchtig.
Durch die Transformation des Bewusstseins vom Merkur zum Mond soll die Jungfrau echte Gefühle und Sinneswahrnehmungen entwickeln, um die in der Form verborgene geistige Wirklichkeit zu erkennen. Sie soll das Leben in der Form behüten, nähren und schließlich offenbaren. Esoterisch gesehen hat sie mit der Geburt des Christusbewusstseins im Herzen zu tun, mit dem sie das Motiv des Helfens und Heilens verbindet: der esoterische Herrscher, der Mond, wird zum „Seelen-Kind“, das im eigenen Inneren geboren werden will.
Bis dahin ist die Jungfrau hilflos und desorientiert. Sie mischt sich ungefragt in die Angelegenheiten anderer, nervt sie mit falscher Hilfsbereitschaft und erfährt dadurch Unverständnis, Ablehnung und Streit. Der Schmerz darüber bringt sie in die notwendige Läuterungskrise. Erst wenn sie gelernt hat zu unterscheiden zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem, Inhalt und Form, Leben und Formalismus (Mond und Merkur), wird sie fähig, einen geistigen Dienst in der Welt zu versehen.
Die Krisenmechanik geht über die Integration des Fischezeichens. Das befreiende Aufgeben kleinlicher Ordnungsprinzipen und das Zulassen einer über alles hinaus gehenden universellen Liebe stärken ihr Urvertrauen in die Lebensgesetze und halten sie inmitten der ständigen Veränderlichkeit aller Formen am Lebensstrom angeknüpft.
Vom materiellen Ausgleich zur weisen Ausgewogenheit Beim Luftzeichen Waage verbinden sich die Willensimpulse des kardinalen Prinzips mit dem Denken. Es hat als traditionellen Herrscher die Venus, esoterisch den Uranus.
Waage hat mit dem Ausgleichen von Gegensätzen zu tun. Anfangs ist es die Venus, die dies durch quantitativen Austausch versucht. Bekommt die Waage z. B. eine Tafel Schokolade geschenkt, will sie sofort etwas Gleichwertiges zurückgeben: „Wie Du mir, so ich Dir“. Dieses Gesetz entwickelt und beherrscht sie bis zur Perfektion. Das ist auf Dauer unbefriedigend, denn andere wollen nicht nur quantitativ beurteilt werden.
Die Waage als Du-Zeichen braucht das Gefühl, geliebt zu werden. Deshalb muss sie neue Wege suchen, um diese Liebe zu bekommen. Dazu verhilft ihr der esoterische Herrscher Uranus als schöpferische Intelligenz. Aber erst muss sie durch eine Krise der Ich- Werdung gehen und das Ich-ZeichenWidder als verdrängte Schattenqualität bewusst machen. Durch Liebesenttäuschungen, Alleingelassen- oder Nichtverstandenwerden findet sie zu den lebendigen Kräften ihres eigenen Ichs zurück und gewinnt sicheren Halt in sich selbst. Erst dann kann sie sich von der Du-Abhängigkeit befreien und schöpferische Lösungen für Ich-Du-Probleme finden.
Der esoterische Herrscher Uranus bringt ein größeres Unterscheidungsvermögen hervor. Die bewusste Waage teilt dann nicht mehr einfach in Gut und Böse, Schwarz und Weiß ein, sondern erkennt feinste Qualitätsunterschiede, was schlussendlich zur Weisheit führt. Sie kann dann mit verbundenen Augen Recht sprechen und Streit schlichten. So wird sie auch oft dargestellt.
SKORPION
Vom Hang zur Selbstzerstörung zum unzerstörbaren Selbst
Das Wasserzeichen Skorpion wird traditionell vom Mars beherrscht, esoterisch vom Pluto. Es steht für die Transformation von Energien. Leben und Tod berühren sich hier und verwickeln den Menschen in teilweise selbstzerstörerische innere und äußere Kämpfe. Das Gefühlselement wird durch Mars ständig zu extremen Schwankungen aufgewühlt – von Lebensfreude bis zum Todeswunsch. Skorpion wird vom fixen Kreuz beherrscht und strebt nach Sicherheit und Dauer, die er aber durch den Marseinfluss immer wieder selbst zerstört. Er weiß aus Erfahrung, dass alles vergänglich ist, aber tief im Innern sehnt er sich nach einem unzerstörbaren geistigen Kern, der überlebt.
Die Transformation erfolgt durch Pluto und bringt das höhere Selbst zum Vorschein, als dessen Bild er gilt. Das verlangt oft drastische Charakteränderungen: das Aufgeben von materiellen Haftungen und persönlichen Wunschbefriedigungen, von falschen Verteidigungsmechanismen und Ich-Formen, von Eigenschaften, die den Ausdruck des inneren Wesens behindern. Beim Durchlaufen der ewigen Stirb- und Werde-Prozesse gewinnt der Skorpion das Vertrauen, dass beim Todesprozess der innere Kern nicht ausgelöscht wird.
Skorpion ist deshalb auch das Zeichen der Wiedergeburt. Sie wird durch das gegenüber liegende Zeichen Stier bewirkt. Sein sinnenfrohes Lebensvertrauen, der Triumph über die Todestriebe integriert die Polachse Stier-Skorpion und setzt beim geistig orientierten Skorpion schöpferische Kräfte frei, die ihn mit Plutos Hilfe zum Seelengestalter machen: durch den oftmals magischen Einfluss, den seine eigenen inneren Wandlungsprozesse auf andere haben – oder indem er ihnen als „Stein des Anstoßes“ dient und sie mit marsischer Schärfe auf die Ungereimtheiten des Lebens "Stößt".
SCHÜTZE
Vom Besserwisser zum hilfreichen Wegweiser Die zukunftsorientierten Schütze-Menschen haben als traditionellen Herrscher Jupiter. Er stimmt sie optimistisch und lässt sie sinnlich an allen Lebensvorgängen teilhaben. Die innere Wendigkeit des veränderlichen Kreuzes macht sie zu intelligenten Gesprächspartnern und ideenreichen Denkern, die dank ihres Feuerelements gern lebhafte Diskussionen führen. Sie haben zu allem etwas zu sagen, wollen aber immer Recht behalten. Schütze ist ein Individualzeichen. Die Expansionskraft seines denkenden Bewusstseins treibt ihn dazu, vorhandene Grenzen leicht zu überschreiten und neue Horizonte zu suchen. Nie hört er auf zu forschen und nach dem großen Warum und Wohin zu fragen.
Die Krise kommt durch die Polarität Schütze/ Zwillinge, wenn der Schütze sich zu sehr auf seine Wahrheit versteift. Das Zwillingszeichen mit seinen vielfältigen Auslegungsmöglichkeiten bringt den von sich überzeugten Schützen in eine Zweifelskrise. Die Wahrheiten, an denen er sich bis dahin mit allen Fasern seines Wesens orientiert hat, verlieren sich im Relativen. Es beginnt die so genannte Sokrates-Krise, in der er erkennt, dass die Weisheit erst anfängt, wenn er weiß, dass er nichts weiß.
Der esoterische Herrscher des Schützen ist die Erde. Seine Weltanschauung muss deshalb „erdig“ sein und auf ihren realen Nützlichkeitswert hin geprüft werden. Nur wenn sie sinnlich, praktisch und organisch nachvollziehbar ist, kann sie auch anderen Menschen neue Maßstäbe und belebende Ideale geben. Dann werden Schütze-Menschen zu echten Lehrern, Menschenführern, Pädagogen und schöpfen aus der eigenen Überzeugungskraft die Stärke, das erschaute Ziel selbst zu erreichen.
STEINBOCK
Vom einsamen Gipfelstürmer zum Bergführer Steinbock ist ein kardinales Erdzeichen und wird exoterisch wie esoterisch vom Saturn beherrscht. Auf der physischen Ebene hat Saturn immer eine Mission der Reifung zu vollbringen: als Erzieher, Prüfer und – indem er unüberwindliche Grenzen setzt – als „Hüter der Schwelle“. In der geistigen Entwicklung wird er der „große Einweihende“ genannt, der dem geläuterten Bewusstsein das Tor zu neuen Dimensionen des Seins öffnet.
Ohne ein höheres Ziel vor Augen ist dem Steinbock sein Leben nichts wert. Auf irgendeinem Gebiet will er Karriere machen und eine Autorität sein. Erst dann ist er zufrieden. Bis dahin scheut er keine Mühen. Er plant seinen Aufstieg rechtzeitig und gründlich. Dann steigt er Stufe um Stufe empor. Dabei perfektioniert er ständig seine Fähigkeiten.
Im Steinbock setzt die Endphase einer Entwicklung ein, bei der eine durch die Bemeisterung des Aufstiegs gefestigte und zur vollen Individualität herangereifte Persönlichkeit entsteht. Saturn gibt ihr durch Abgrenzung und Härte das nötige Profil, um sich im autonomen Handeln zu verwirklichen. Die Transformationskrise findet statt, wenn die geschliffene Persönlichkeitsform verhärtet und autoritär oder sogar despotisch wird.
Um weiter zu wachsen, muss der Steinbock das Krebszeichen integrieren und Gefühlswerte entwickeln. Er muss seine unnahbare Machtposition aufgeben und wohl oder übel von seiner Bergesspitze, auf der er sich voll Stolz einen festen Stand aufgebaut hat, wieder herab steigen. Saturn als esoterischer Herrscher will die erreichte Macht zum Segen der Mitmenschen einsetzen, nicht zu persönlichen Zwecken. Dazu muss der Steinbock sich wieder nach menschlicher Zuwendung und der Geborgenheit einer Privatsphäre zurück sehnen. Dann erst wird er mit Hilfe Saturns symbolisch zum „weisen Mann“, der andere auf die Bergesspitze hinauf führen kann.
WASSERMANN
Vom elitären Theoretiker zum tatkräftigen Reformer
Als fixes Luftzeichen strebt der Wassermann nach Sicherheiten im Denken: in Systemen, Dogmen, Ideologien, Religionen. Er wird exoterisch beherrscht von Saturn und Uranus, esoterisch von Jupiter – eine interessante Kombination. Wassermänner sind sehr einfallsreich und suchen immer den Austausch mit Gleichgesinnten, auch um sich im Ersinnen von Systemen und Problemlösungen wichtig zu fühlen. Viele suchen zur eigenen Aufwertung die Nähe einflussreicher Menschen. Sie wollen immer etwas Besseres sein und schauen oft moralisierend auf andere herab. Uranus deutet aber auch auf fortschrittliche Menschen, die gemeinsam neue Zukunftsperspektiven für eine Gruppe oder die Menschheit suchen.
Die Transformation verlangt auch hier ein Heruntersteigen – aus dem Elfenbeinturm, in den sie, verstrickt in ihre eigenen Ideen, geraten sind. Isoliert von der Wirklichkeit, werden sie dort rasch mut- und hilflos, wenn sich die Dinge nicht nach ihrer Vorstellung entwickeln.
Der Löwe am anderen Ende der Polachse will die echte Selbstverwirklichung durch hautnahe Erfahrung erreichen. Deshalb sollen Wassermänner das Theoretisieren aufgeben und tatkräftig an der Verbesserung menschlicher Angelegenheiten mitwirken. Auch Jupiter als esoterischer Herrscher braucht die sinnenhafte Erfahrung, um wissend und sehend zu werden. Er symbolisiert auf der Bewusstseinsebene den losgelösten Beobachter, der das große Ganze überblickt. Dieser übergeordneten Standpunkt jenseits der Dualität ermöglicht eine bewegliche Synthese, die in der Polarität das Dritte, Verbindende erkennt und den Lebenssinn entschlüsselt. Geistig orientierte Wassermänner sind dann schöpferische, experimentierfreudige Menschen, die sich mit Vorliebe um das Beheben sozialer Missstände kümmern und keine Hilfeleistung scheuen.
FISCHE
Vom Weltflüchter zum Menschendiener Das Zeichen Fische hat (wie Wassermann) zwei traditionelle Herrscher: Jupiter und Neptun, und als esoterischen Herrscher Pluto. Auch hier lässt erst das Zusammenwirken einer Dreidimensionalität Wesen und geistigen Weg des Fische-Menschen erkennen. Das Zeichen Fische steht auf dem veränderlichen Kreuz, das Fische-Menschen zu Liebe, Verständnis und Eintracht motiviert. Jupiter als das Wahrnehmungsvermögen macht sie sehr offen für die Nöte anderer, aktive Hilfe fällt ihnen aber manchmal schwer. Neptun als Prinzip der universellen Menschenliebe verursacht oft eine träumerische Sehnsucht nach einem utopischen Paradies, die manche Fische-Menschen mit echtem Weltschmerz erfüllt.
Diese Neigung zur Weltflucht wird auf dem geistigen Pfad vom polaren Zeichen Jungfrau her überwunden. Als Zeichen der Existenzbewältigung bringt es Fische-Menschen die Realitäten des Lebens schmerzlich als unausweichlich nah. Sie müssen sich dann innerlich bereit erklären, ihren Pflichten nachzukommen. Erfüllen sie diese in einem dienenden Beruf ohne Widerstand, werden sie zu echten Helfern und Heilern.
Die Transformationskräfte kommen vom Pluto auf der Bewusstseinebene. Pluto als Bild des höheren Selbstes kann Fische-Menschen in einem Zustand der inneren Stille und Abgeschiedenheit eine klare Vision des Evolutionsgeschehens und den Platz für einen geistigen Dienst aufzeigen. Als innerlich Berufene sind sie dann zu jedem Opfer fähig, da sie aus einer unversiegbaren Quelle schöpfen: ihrer Einheit mit dem Großen Ganzen. So geschieht eine echte Wandlung des eigenen Ichs, ähnlich dem Stirb-und-Werde-Prozess im Skorpion, jedoch tief im eigenen Innern, fern vom bunten Weltgetriebe.

