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Bruno Baumann
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Auf den Spuren des Bon im Himalaja

Auf den Spuren des Bon im Himalaja

Gemeinsam mit seinem Team entdeckte der Ethnologe Bruno Baumann in Westtibet Beweise für ein seit 1200 Jahren versunkenes Reich, dessen vorherrschende Religion Bon war. Warum Shang Shung unterging und welche Rolle der Buddhismus dabei spielte, verrät Bruno Baumann im nachstehenden Gespräch.

Gemeinsam mit seinem Team entdeckte der Ethnologe Bruno Baumann in Westtibet Beweise für ein seit 1200 Jahren versunkenes Reich, dessen vorherrschende Religion Bon war. Warum Shang Shung unterging und welche Rolle der Buddhismus dabei spielte, verrät Bruno Baumann im nachstehenden Gespräch.

Am Anfang Ihres neuen Buches schreiben Sie, der Mythos Shangri La sei für Sie eine Utopie. Was gab den Ausschlag, sich trotzdem auf die Suche zu machen?

Ich hatte als Jugendlicher das Buch Jenseits des Horizonts von James Hilton gelesen und dann erneut, als ich mit dem Thema Shambala – dem buddhistischen Paradies – in Berührung kam. Danach habe ich beschlossen, mir das einmal anzuschauen. Dabei war die Fragestellung nicht, wo liegt Shangri La? Das muss jeder für sich selbst entdecken. Mich interessierte das Konzept dahinter. Basiert die Vorstellung eines Paradieses und die Art und Weise, wie er das ausgeschmückt hat, auf einer realen Vorlage? Als ich dann mit der Recherche begann, stieß ich schnell auf einen Russen namens Nicholas Roerich. Dessen Buch Shambala ist drei Jahre vor Hiltons Roman erschienen. Solche Zufälle gibt es nicht. Als ich die beiden Bücher miteinander verglich, merkte ich, dass Hilton sich an Roerich orientiert hatte, der wirklich nach Tibet reiste und Zentralasien erkundet hat. Während der Romanautor Hilton nie tibetischen Boden betreten hat. Es gab zu viele Übereinstimmungen. Ich fragte mich, ist dieses Shambala, das die Buddhisten als ihr Paradies ansehen und das Hilton als Shangri La im Westen verbreitet hat, eine originäre Erfindung der tibetischen Buddhisten oder haben sie es ihrerseits womöglich von einer älteren Tradition übernommen? Auf diese Weise kam ich im Transhimalaja auf eine Art vorbuddhistische Enklave, die vor dem tibetischen Buddhismus existiert hat – die Bon-Religion, eine schamanistische Tradition. Dort fand ich in einem Kloster eine Abbildung, die Ähnlichkeiten mit dem zeigte, was die Buddhisten als Shambala darstellen. Aber das, was ich da sah, war das Bon-Paradies. Tatsächlich war der Bon schon vor dem Buddhismus in Tibet und stellt eine viel ältere Tradition dar, als der Buddhismus selbst. Ich überlegte, ob es möglich ist, dass diese frühen Buddhisten die Paradies-Vorstellung des Bon zu ihren Gunsten umgedeutet haben. Das war der Auslöser für meine Reise, die mich quer durch Tibet und in viele Archive geführt hat.

Als Sie sich auf den Weg gemacht haben, hatten Sie da eine vage Vorstellung davon, was Sie finden könnten?

Nein. Im 21. Jahrhundert kann man nicht hoffen, dass man eine versunkene Kultur entdeckt. Das ist fast eine Utopie. Über die Bon-Religion weiß man wenig – verglichen mit dem tibetischen Buddhismus. Denn damit beschäftigt sich ja eine ganze Tibetologen-Generation. Der ist weitgehend erforscht. Aber die Bon-Religion ist dagegen noch ein grauer Fleck. Zum einen, weil sie zurückgedrängt wurde, zum anderen, weil sie sich so sehr im Buddhismus assimiliert hat, dass von den schamanischen Ursprüngen nur noch wenig erhalten ist. Der Begriff Shang Shung geisterte in Bruchstücken in Namen und Ortsnamen. Er schien mir mehr eine Legende. Ich hatte ihn bis dahin auch nur ein paar Mal gehört. Erst, als ich mich intensiver mit der Bon-Religion zu befassen begann, entfaltete sich gewissermaßen dieses Shang Shung als untergegangenes Reich vor mir. Allgemein wird die tibetische Kultur von den Fachgelehrten als ein transhimalajisches Anhängsel der indischen betrachtet. Die buddhistische Überlieferung betont natürlich die Geschichte des Buddha. Im 8. Jahrhundert kam es in Tibet zu einem Kulturkampf.

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