Ayurveda-Kuren - Balsam für Körper und Seele
Susanne Wegner testete ein Ayurveda-Kurhotel auf Sri Lanka
Um mich selbst zu überzeugen, ob das Wohlgefühl von Stirnguss und Synchronmassagen mit warmem Sesamöl nur ein Gerücht ist, habe ich mich in die Heimat des Ayurveda, nach Sri Lanka in das Kurhotel „Paragon“ begeben und zwei Wochen die traditionelle Panchakarma-Kur getestet. Das „Paragon“ ist bekannt für seine herausragenden und wirkungsvollen Kuren. Die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit all seiner Mitarbeiter ist legendär und wird von allen Gästen überaus geschätzt. Die außergewöhnliche Lage direkt am Meer ist einzigartig und lässt die Kur zu einem herrlichen Tropenurlaub werden.
Das „Paragon“ ist konzipiert nur für Kurgäste und erhielt im Jahre 2003 als einziges Ayurveda-Zentrum eine Auszeichnung des Gesundheitsministeriums Sri Lankas.
Was ist Ayurveda?
Ayurveda ist der Überbegriff für eine fast 4000 Jahre alte ganzheitliche Heilmethode. Sie baut auf Ernährung, Entgiftung und Entspannung. Sanfte Massagen (Kopf, Ganzkörper, Hals und Nacken, Füße und als Krönung das Shirodhara, der Stirnguss mit warmen Ölen), Blütensauna und warme Bäder mit verschiedenen Essenzen, hochwirksame pflanzliche Heilmittel und Ernährungsumstellung sind die Eckpfeiler der Kuranwendungen. Dazu gehören aber auch Yoga, geführte Meditationen und ausreichend Schlaf.
Ayurveda versteht sich als ganzheitliches Heilsystem, das Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude erhalten und verbessern will. Die Einheit von Körper, Seele und Geist, den Sinnen und der Umwelt ist höchstes Ziel des Ayurveda.
Die Lehre der Doshas und der Konstitution
Jeder Mensch wird ayurvedisch als Individuum gesehen. Gesundheit und Krankheit beruhen auf dem Zusammenwirken der Doshas (Vata, Pitta, Kapha); diese sind „Körpersäfte“ oder Bioenergien auf grob- und feinstofflicher Ebene und bestehen aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. In jedem Menschen wirkt eine bestimmte Kombination der Doshas und prägt die körperlichen Neigungen, Erscheinungsbild, Abneigungen und auch die Anfälligkeit für Krankheiten.
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Der Vata-Typ (Element Raum und Luft):
Für Vata-Menschen typisch sind u. a.: leichter Knochenbau, schlank, zierlich, schwache Muskeln; hervorstehende Knochen, Gelenke und Venen; trockene Haut, wechselhaftes Wesen, Neigung zu unregelmäßiger Lebensführung. Sie sind geräusch- und berührungsempfindlich, hektisch, nervös und sprunghaft, ermüden schnell und frieren leicht. Vata-Menschen sind gesprächig, kreativ und reisen gerne. Es besteht Neigung zu vegetativen Störungen, Krankheiten des Bewegungsapparates und zu Verdauungsstörungen.
Vata-Menschen benötigen einen geregelten Tagesablauf mit drei warmen, nährenden Mahlzeiten und viel Ruhe, sowie Entspannung, ausreichend warme Getränke. Sie sollten alle schwer verdaulichen Speisen, wie z. B. Kohl, Paprika, Pilze und Rohkost vermeiden. -
Der Pitta-Typ (Element Feuer und kleiner Anteil Wasser):
Merkmale für Pitta-Menschen sind unter anderem: mittelstarker Körperbau, warme sensible Haut mit Neigung zu Rötungen, gut ausgeprägte Muskulatur, Intensität des Wesens, Organisationsgenies, kritisch, Perfektionisten, ausgeprägter Hunger und Durst, guter Stoffwechsel, empfindliche Reaktion auf Chemikalien, ehrgeizig, rhetorisch begabt, ungeduldig und hitzig. Neigung zu Übersäuerung, zu Hautkrankheiten und Infekten ist vorhanden.
Pitta-Menschen überfordern sich oft und leben häufig exzessiv. Sie sollten saure, scharfe und ölige Nahrungsmittel meiden und kühlende, bittere und herbe Nahrungsmittel bevorzugen. Alkohol, Fleisch, Weißmehl und Kaffee möglichst reduzieren oder ganz vermeiden. -
Der Kapha-Typ (Element Wasser und Erde):
Merkmale für Kapha-Menschen sind unter anderem: starker Knochenbau mit Tendenz zum Übergewicht, heller Teint mit dicker, kalt-feuchter Haut, kräftiges, welliges Haar und starke Nägel, träger Stoffwechsel, bedächtiges Wesen, langsame Auffassungsgabe, Sammelneigung, lethargisch, tolerant, fürsorglich. Neigung zu träger Verdauung, Übergewicht, Ödemen, Verschleimung und Zellulitis.
Kapha-Menschen sind oft träge und bewegungsarm. Sie sollten alle fetten, gebratenen und schweren Nahrungsmittel – insbesondere Süßspeisen und Milchprodukte – meiden und stattdessen leichte, herbe, bittere und anregende Speisen essen. Zwischenmahlzeiten sollten ausfallen und abends nur Suppe oder gedünstetes Gemüse auf dem Speiseplan stehen.
Ermittlung des Grundtypus und des Ungleichgewichts
In einem ausführlichen persönlichen Gespräch ermitteln die erfahrenen Ayurveda-Spezialisten des „Paragon“ den Grundtypus und ein mögliches Ungleichgewicht. Durch die traditionelle Pulsdiagnose ist eine umfassende Diagnose in kürzester Zeit möglich. Neben den rund 50 unterschiedlichen Behandlungen spielen die frisch zubereitete Medizin aus der hauseigenen Apotheke, Yoga und Entspannungsprogramme und die kurbegleitende Ernährung eine große Rolle. Am Ende der Untersuchung folgt eine ausführliche ayurvedische Ernährungs- und Lebensberatung, und der Behandlungsplan wird für jeden Kurgast individuell zusammengestellt (Massagen, Öle, Bader usw.).
Wenn schon, denn schon eine richtige Kur
Eine Ayurveda-Kur ist kein Urlaub im herkömmlichen Sinn, dessen sollte man sich bewusst sein. Der Tagesablauf richtet sich an den Behandlungen aus. Kleineren Ausflügen in die Umgebung oder gemütlichen Strandspaziergängen steht aber nichts im Wege, im Gegenteil, sie fördern die Entspannung.
Abends empfehlen die Therapeuten das frühe Zubettgehen. Die tiefe Entspannung durch die diversen Behandlungen und ein neues Leichtigkeitsgefühl durch die Ernährungsumstellung sorgen quasi von selbst dafür, dass man sich bereits um 10 Uhr abends unter das Moskitonetz zurückzieht, von den im Hintergrund anlangenden Wellen in den Schlaf gewiegt.
Die in vielen Schönheitsfarmen und Wellness-Hotels angebotenen Ayurveda-Tage oder einzelnen Maßnahmen haben mit dem „richtigen“ Ayurveda nichts zu tun. Wer diese alte Heilkunst zur Wiederherstellung seiner ins Ungleichgewicht geratenen Gesundheit nutzen will, sollte mindestens 2, besser noch 3 Wochen einplanen. Das ganzjährig warme Klima Sri Lankas unterstützt auf einzigartige Weise den Reinigungseffekt der Kur. Daher ist die Kur im Ursprungsland am wirkungsvollsten. In „meinem“ Ayurveda-Kurhotel Paragon gab es deshalb auch keine Klimaanlage. Doch die direkte Lage am Meer und die landestypische offene Bauweise sorgten immer für einen angenehmen Lufthauch.
Aber weder die Klimaanlage noch Minibar oder Fernseher habe ich vermisst. Dafür gab es viel Ruhe, Entspannung, kompetente Therapeuten, wunderbare Buffets und nur freundliche Gesichter!

