Editorial Ausgabe AUGUST 04 SEPTEMBER 2005
Liebe Leserinnen und Leser,
Wieder einmal zerfetzte eine Bombe die Stille des Alltags. Wieder einmal müssen wir uns verabschieden von der Illusion, dass Terror dieser Art ein Phänomen ist, welches nicht in Europa Fuß fassen kann. Wieder einmal müssen wir feststellen, dass das Leben sich schlagartig von seiner grausamen, ungerechten Seite zeigen kann. Die selbstgemachten Illusionen des sicheren und ruhigen Lebens sind von einer Sekunde zur anderen weggewischt. Das Leben ist wie eine Seifenblase, die jederzeit platzen kann.
Was machen wir mit den Träumen, mit den Vorstellungen, mit den Wünschen für unser Leben, wenn das Schicksal etwas ganz anderes vorgesehen hat? Wenn uns mit voller Macht die Verletzbarkeit des menschlichen Lebens vorgeführt wird?
Nein, ich vertrete keine „Vogel-Strauß-Strategie“: Den Kopf in den Sand zu stecken oder zu glauben, mir könnte das nicht passieren, ist einfach nur ignorant. Beim Astrologen die Zukunft zu erfragen, halte ich für nicht ratsam, da die Details doch recht ungenau sein mögen. Gott um Hilfe zu bitten, dass er diesen Kelch an mir vorübergehen lassen möge? Vielleicht schon eher, aber kennt er denn nicht ohnehin schon das Leid, das er mir zufügt?
Ich glaube, es gibt nur einen Weg: Das Leben so zu nehmen wie es kommt, mal auf dem Kamm einer Welle und mal im Tal einer Welle. Dabei einfach mitschwimmen, nicht untergehen, aber auch nicht glauben, dass der Scheitelpunkt auf Dauer bleibt. Bereit sein, auch in das Tal der Welle, in die nicht so schöne Seite des Lebens mitzugehen, da es nun einmal zum Leben gehört. Festzuhalten oder zu denken, dass es nur so oder so weitergehen kann, macht mich schutzlos vor den Augenblicken, in denen die Welle des Lebens am Scheitelpunkt kippt.
Im Jetzt leben, sich frei machen von der Illusion, dass mir nichts zustoßen kann, das Leben mit seinem Leiden erfahren und annehmen – und loslassen von der Meinung, dass das Ich mir neue Möglichkeiten eröffnet, die meine Vorstellungen von Erfolg und Glück wahr werden lassen.
Das Leben von Anfang an auf ein Ziel, das allein Gott heißen kann, ausrichten. Gott muss der Mittelpunkt sein, der Weg dorthin ist das Leben. Nur so macht das Leben mit all seinen Wellentälern und Höhen einen Sinn.
Ihre

