Editorial Ausgabe April 2008
Liebe Leserinnen und Leser,
die Welt schaut nach Tibet. Während der Dalai Lama unermüdlich zum Gewaltverzicht in Tibet auffordert, verbreiten die Bilder, die man vom Anfang der Proteste dort sehen konnte, Angst und Schrecken. Eines der wichtigsten Prinzipien auf dem Achtfachen Pfad des Buddhismus ist die Gewaltlosigkeit – gegenüber Mensch, Tier und Natur. Welche Verzweiflung muss da gläubige Buddhisten befallen, wenn sie solche Bilder in Tibet sehen?
die Welt schaut nach Tibet. Während der Dalai Lama unermüdlich zum Gewaltverzicht in Tibet auffordert, verbreiten die Bilder, die man vom Anfang der Proteste dort sehen konnte, Angst und Schrecken. Eines der wichtigsten Prinzipien auf dem Achtfachen Pfad des Buddhismus ist die Gewaltlosigkeit – gegenüber Mensch, Tier und Natur. Welche Verzweiflung muss da gläubige Buddhisten befallen, wenn sie solche Bilder in Tibet sehen?Welche Verzweiflung muss aber auch jeden anderen Gottgläubigen befallen, wenn er die Augen offen hält und die Welt betrachtet Überall kommt es zu Gewaltanwendungen zwischen Menschen, wie auch zwischen Mensch und Natur. Das Prinzip der Gewaltlosigkeit scheint sich in der Evolution der Welt aufgelöst zu haben.
Gewaltlosigkeit beginnt in den Gedanken und endet in den Handlungen. „Wie du denkst, so wirst du“ ist nicht nur ein Prinzip zur Erziehung von Kindern, sondern hat sein Fundament in der Werteskala der Religion. Wie oft denken wir: “Hoffentlich bekommt der jetzt mal einen Denkzettel“ oder: „Das geschieht dem aber recht“? Damit haben wir schon den ersten Grundstein für ein unfriedliches Miteinander gelegt.
Aber was wir unseren Mitmenschen antun und angetan haben ist vielleicht nur ein Bruchteil von dem, was wir gegenwärtig der Natur antun, weil wir sie nicht achten und ihr gegenüber nicht positiv eingestellt sind. Wir nehmen von der Natur, aus der Natur, was und wie es uns beliebt. Können Sie sich vorstellen, dass Gewaltlosigkeit auch beim Essen anfängt?
Unser Essverhalten gibt ein gutes Beispiel dafür: Bei uns kommen Obst, Gemüse und Getreide doch aus den Supermarktregalen und wachsen nicht mehr in der Erde oder auf Bäumen, und die Milch kommt nicht mehr von der Kuh, sondern nur noch aus der Flasche, denn wir haben den Bezug zur Nahrung und deren lebendigem Wachstum verloren. Es ist uns nicht wichtig – Hauptsache, alles ist schön verpackt und schön glänzend. Haben Sie schon mal eine Kartoffel in die Erde gesteckt oder einen Weißkohl gesetzt? Haben Sie deren Wachsen beobachtet, das Pflänzchen gehegt und gepflegt, bis Sie dann ernten konnten? In dieser Phase muss man Respekt und Achtung vor der Pflanze und den Naturgewalten haben.
Unser Essverhalten ist aber nicht mehr von der Natur, von dem was sie uns anbietet, bestimmt, sondern allein von Geschmacksverstärkern und von dem Gedanken: „Was geht schneller in der Mikrowelle?“ All das ist Gewalt gegenüber unserer Umwelt, weil wir ihr nicht mehr mit Respekt begegnen, weil wir sie nicht mehr achten, sondern nur noch ausnutzen und gebrauchen. Um unser Verhalten zu ändern, braucht es aber mehr als nur den Bio-Bauern von nebenan. Wir müssen die Achtung und den Respekt vor den Werten der Schöpfung zurückgewinnen und die menschliche Natur darin einbinden. Die Werte der Religionen können uns dabei helfen, aber nur dann, wenn wir uns tagtäglich darum bemühen.
Ihre

