Editorial Ausgabe Dezember 2007

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Geschichte einer Kerze (leicht gekürzt, Verfasser unbekannt)

Jetzt habt ihr mich angezündet und schaut in mein Licht. Ihr erfreut euch an meiner Helligkeit, an der Wärme, die ich spende. Und ich freue mich, dass ich für euch brennen darf. Wäre dem nicht so, läge ich vielleicht in einem alten Karton herum – zu nichts von Nutzen. Sinn bekomme ich erst dadurch, dass ich brenne. Aber – ich weiß es nur zu gut – je länger ich brenne, um so kürzer werde ich, um so mehr neige ich mich meinem Ende zu. „Abgebrannt“, werdet ihr sagen und das, was von mir übrig geblieben ist, wegwerfen…

Ich weiß, es gibt immer diese beiden Möglichkeiten für mich: Entweder ich bleibe im Karton – unangerührt, vergessen, im Dunklen – oder aber ich brenne, werde kürzer, gebe alles her, was ich habe, zugunsten des Lichtes und der Wärme. Somit führe ich mein eigenes Ende herbei.

Und doch, ich finde es schöner und sinnvoller, etwas hergeben zu dürfen, als kalt zu bleiben und im düsteren Karton zu liegen…

Schaut, so ist es auch mit euch Menschen! Entweder ihr zieht euch zurück, bleibt für euch, erhaltet euch – und es bleibt kalt und leer -, oder ihr geht auf die Menschen zu und schenkt ihnen von eurer Wärme und Liebe – dann erhält euer Leben Sinn. Es ist ausgefüllt. Aber, ihr wisst es, dafür müsst ihr etwas von euch selbst hergeben, etwas von eurer Freude, von eurer Herzlichkeit, von eurem Lachen, vielleicht auch von eurer Traurigkeit. Ich meine, ihr sollt nicht ängstlich darauf bedacht sein, euch selbst zu bewahren. Ich meine, nur wer sich verschenkt, wird reicher. Nur wer andere froh macht, wird selbst froh. Nur wer Licht ist für andere, wird selbst Licht empfangen. Je mehr ihr für andere brennt, umso heller wird es in euch selbst.

Ich glaube, bei vielen Menschen ist es nur deshalb so düster, weil sie sich scheuen, für andere da zu sein, anderen Licht zu bringen. Sie klagen und murren in einem fort über die dunklen Zeiten. Sie haben immer noch nicht begriffen: Ein einziges Licht, das brennt, ist mehr wert als alle Dunkelheit der Welt. Also – lasst euch ein bisschen Mut machen von einer winzigen kleinen Kerze…

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest, in Gedanken bei dem Licht einer winzigen kleinen Kerze, die uns auch von innen her mit Liebe und Freude erfüllt.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Gerlinde Glöckner
AGBCopyright & DatenschutzImpressumKleinanzeige aufgeben