Editorial Ausgabe Dezember 2008
Liebe Leserinnen und Leser,
bei meinem letzten Besuch am Kiosk sah ich auf verschiedenen Zeitschriften wunderschön dekorierte Weihnachtsmenüs. „Ein Fest essen für alle Sinne“ oder auch „Ein Weihnachtsschmaus besonderer Art“ lauteten die Überschriften.
Ich muss gestehen, mir lief nicht gerade das Wasser im Munde zusammen, aber schön anzuschauen war es schon. Ich dachte über mein Weihnachtsessen nach, was denn da auf dem Speisezettel stehen würde. In meinem Kopf kursierten verschiedene Möglichkeiten, bis ich mein Traummenü gefunden hatte. Selbstverständlich gehörten Tischdekoration, ein aromatischer Duft, Kerzen, Musik dazu. Nicht nur mein Magen sollte sich an diesem Tag freuen dürfen, ich wollte mich rundum wohlfühlen, alles schön machen, damit es mir gut geht. Schließlich galt es doch, die anstrengenden Tage des Vorweihnachtsstresses – das elendige Warten an den Kassen, das Schleppen der vielen Einkaufstüten und so weiter – auszugleichen!
Und während ich so nachdachte, kam mir folgende Geschichte, die mir meine Großmutter immer zu Weihnachten erzählt hatte, in den Sinn:
Die Tiere im Wald diskutierten einmal über Weihnachten. Sie stritten, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei: „Na klar, Gänsebraten“, sagt der Fuchs, „was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?“ „Schnee“, sagte der Eisbär, „viel Schnee.“ Und er schwärmte verzückt von weißen Weihnachten. Das Reh sagte: „Ich brauche aber einen Tannenbaum, sonst kann ich nicht Weihnachten feiern.“
„Aber nicht so viele Kerzen“, heulte die Eule, „schön schummrig und gemütlich muss es sein. Stimmung ist die Hauptsache.“ „Aber mein neues Kleid muss man sehen“, sagte der Pfau. „Wenn ich kein neues Kleid kriege, ist für mich kein Weihnachten.“ „Und Schmuck“, krächzte die Elster, „jedes Weihnachtsfest krieg ich was: einen Ring, ein Armband, eine Brosche oder eine Kette. Das ist für mich das Allerschönste.“ „Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen“, brummte der Bär, „das ist doch die Hauptsache. Wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen, verzichte ich auf Weihnachten.“ „Macht’s wie ich“, sagte der Dachs, „pennen, pennen, pennen. Das ist das Wahre! Weihnachten heißt für mich; mal richtig auspennen.“ „Und saufen“, ergänzte der Ochse, „mal richtig saufen – und dann pennen.“
Aber dann schrie er „Au-a!“, denn der Esel hatte ihm einen gewaltigen Tritt versetzt. „Du Ochse, denkst du denn nicht an das Kind?“ Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: „Das Kind, ja das Kind, das ist doch die Hauptsache! Übrigens“, fragte er dann den Esel, „wissen das die Menschen eigentlich“?
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit, mit viel Zeit für das wirklich Wichtige!
Ihre

