Editorial Ausgabe Februar 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

heiß ging es her bei uns in den letzten Tagen. Die Rentner der Gesellschaft auf der einen Seite, jugendliche Gewalttäter auf der anderen Seite. Aber damit noch nicht genug. Das Salz in der Suppe war die anschließende „Ausländer-raus“-Debatte mit dem krönenden Vorschlag, schon für Kinder unter 14 Jahren Arrestzellen parat zu halten. Ganz abgesehen von der Empfehlung, letztendlich sollten die spießigen Rentner besser den U-Bahn-Waggon wechseln, weil vielleicht schon ihr Dasein mit diesem nörgelnden Gesichtsausdruck der Grund für den Ausbruch der Gewalt sei.

Aber bevor wir wieder mit dem Finger auf andere weisen, bevor der Fernseher, die Schule, die Freunde oder die Familie herhalten muss, sollten wir uns selbst einmal fragen: Sind wir nicht auch gewalttätig? Wo fängt denn Gewalt an? Bei den körperlichen Schlägen? Fängt Gewalt nicht schon viel früher an, nämlich in unseren Gedanken? Unbeachtet und meistens unbewusst passiert es uns doch, dass wir anderen Menschen gar nicht einmal körperliche Gewalt androhen, sondern dass wir sie mit gewalttätigen Gedanken von Wut, Enttäuschung oder auch Hass bedecken. Das aber ist das Saatkorn, das in unserem Bewusstsein für weitere Gewalttaten gelegt worden ist. Danach folgt als zweiter Schritt das verbale Aussprechen dieser Gedanken. Verletzende Sprüche wie „Du blöde Kuh“, „Du A…“ etc. sind die keimenden Sprossen dieser Saat. Die handfeste Gewaltanwendung ist dann nur noch die reife Ernte.

Um dem Problem Herr zu werden, muss ich die Saat aus meinem Herzen entfernen. Mir bewusst werden, was ich denke und wie ich über andere Menschen denke. Denn so wie ich, denkt der Andere vielleicht auch, und dass Gedanken mächtig sind, wissen wir. Mit Achtsamkeit und Liebe kann ich meine Gedanken kontrollieren und schaffe dadurch eine Umgebung, in der Frieden und Harmonie vorherrschen. In einer solchen Umgebung kann keine Gewalt wachsen, da ihr der Nährboden fehlt.

Es sind nicht nur die Kinder, denen wir es zeigen sollten, sondern auch wir selbst müssen lernen, dass Liebe und Achtsamkeit in Gedanken, Worten und Taten sich im Alltag positiv auswirken.

Mit den besten Wünschen aus einem schneearmen Schwarzwald
Ihre

Gerlinde Glöckner
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