Editorial Ausgabe März 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzen Tagen und Wochen hat eigentlich nur ein Thema die Medien beherrscht: Geld. War es zunächst nur das ungläubige Staunen über die Milliardenverluste der Banken, rieb man sich über die Risikobereitschaft eines einzelnen Bankmitarbeiters noch erstaunt die Augen, so blieb einem dieser Tage der Mund offen stehen über die „Schwarzgeldmillionäre“.

Aber bei allen diesen Vorgängen ist die Motivation, die dahinter steckt, klar zu erkennen: Die Gier. Gier ist aber kein branchenbezogenes Problem allein der Banken: die Gier nach Macht, die Gier nach gesellschaftlicher Anerkennung, die Gier nach materiellem Wohlstand, die Gier nach Leben und auch die Gier auf das, was der andere besitzt. Denn „Gier und Neid steh’n Seit an Seit.“

Die Gier ist überall dort zu finden, wo man ihre Saatkörner – die Wünsche – gut gewässert hat. Die Gier hat sich bei uns eingenistet und bestimmt immer mehr unser Leben, weil wir immer mehr und mehr Wünsche entwickeln und diese auch noch mit den Wünschen der Menschen um uns herum vergleichen. Das größere Auto, der modernere TV-Flachbildschirm, die Reise ans Kap oder vielleicht „nur“ das dreißigste Paar Schuhe. Wir schrauben doch die Spirale der Maßlosigkeit immer höher, indem wir ständig neue Wünsche zulassen und die Erfüllung dieser Wünsche als absolut selbstverständliche Notwendigkeit hinstellen. Immer mehr und mehr. Dazu kommt die fast panische Angst, wir könnten das Beste oder Wichtigste im Leben verpassen, was uns wiederum zwingt, die Erfüllung unserer Wünsche nicht auf Jahre hinaus zu verschieben. Weil einem das Leben aus den Fingern zu gleiten droht, muss man noch möglichst viel hineinpacken.

Buddha nannte die Gier als eine der Ursachen für das Leid des Menschen. Neben der Gier kommt in uns der Neid hoch, aus beidem erwächst Unzufriedenheit, und schon beginnt der Kreislauf mit einem weiteren, neuen Wunsch wieder von vorn.

Ein Schritt in eine andere Richtung wäre zumindest der Versuch, Maß zu halten, seinen Wünschen Grenzen aufzuerlegen.

Allein schon die Zeit macht viele Wünsche oft plötzlich überflüssig, darum: nicht immer gleich zur Wunscherfüllung eilen.

Mit andern zu teilen lässt die Wichtigkeit der eigenen Gier vergessen. Man erkennt, dass die gemeinsame Freude mehr wert ist als die Erfüllung des eigenen Wunsches!

Und: Zufriedenheit nicht von der Wunscherfüllung abhängig machen, sondern in sich selbst und in der Verbindung mit Gott finden.

Gerlinde Glöckner
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