Editorial Ausgabe September 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Kollege von mir wurde dieser Tage in ein Krankenhaus eingeliefert. Erster Verdacht: Burnout-Syndrom.

Seine Frau erzählte er mir, er fühle sich leer, habe keine Kraft mehr und ihm sei alles zu viel. Kleinigkeiten bringen ihn auf die Palme; viele Dinge, die er sonst mit Freude verfolgt habe, interessieren ihn nicht mehr; er fühle nur noch einen ungeheuren Druck, die Verantwortung in Familie und Beruf laste zentnerschwer auf seinen Schultern und er sehe nirgends einen Ausweg. Ich zeigte mich erstaunt, da er doch erst vor nicht allzu langer Zeit in Urlaub gewesen sei.

Das wäre auch nicht das Wahre gewesen, auch nach dem Urlaub habe er sich ausgelaugt und kraftlos gefühlt.

Immer wieder hört man solche Worte und sucht die Ursache meistens in der Schnelllebigkeit unserer Zeit mit all ihren Stress- und Belastungsfaktoren. Sicherlich ist das zu einem Teil wahr, doch auf der anderen Seite gibt es etwas, was wir in den vergangenen Jahren verloren haben.

Der Sonntag galt bei uns über viele Jahrhunderte als „Tag des Herrn“. Andacht, Rückzug in die vier Wände der Seele, aus der Ruhe neue Kraft schöpfen: so lebten unsere Vorväter. Wir haben das verlernt, weil wir shoppen, surfen und telefonieren müssen. Alles Dinge, die zwar auch Entspannung bringen können, meiner Seele aber keine Kraft geben.

Kraft für meine Seele, meine innere Stärke bekomme ich im Gebet, in der Meditation. In dieser Zeit kann sich meine Seele von allen Dingen zurückziehen, kann sich ganz alleine auf ihre innere Stimme konzentrieren. Aus dieser inneren Stille erwächst jene unvergleichliche Kraft, die mich jeden Alltag meistern lässt.

Setzen Sie sich jeden Morgen fünf Minuten hin, machen Sie die Augen zu und horchen Sie einfach in sich hinein. Egal wo, egal wie. Nur in Ruhe sitzen und hören, was die Seele sagt. Mal die Einsamkeit der Seele in einem Zwiegespräch mit Gott aufheben, mal die Seele aus dem Käfig der Sinne herausholen und sie die Wärme der Wunschlosigkeit und Achtsamkeit spüren lassen.

Es tut gut, einfach nur gut, und gibt mir Kraft.

Ihre

Gerlinde Glöckner
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