Açaí Eine Palmfrucht mit Superkräften?
Aus den aktuellen Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Alexander Schauss
Die Palme und ihre einheimische Nutzung
Es geht um weintraubengroße, dunkelviolette, fast schwarze Beeren, die an der so genannten Kohlpalme, Lat. Euterpe oleracea, wachsen. Diese mehrstämmige Palme ist in Brasilien bis Mittelamerika sehr verbreitet, vor allem in Überschwemmungs- und Küstengebieten. Ihre Früchte und die Palmherzen werden seit langem als Nahrungsmittel genutzt. In Brasilien heißt die Palme „açaizeiro“, die Früchte werden „açaí“, genannt. Daher der Name „Açaí-Beere“ (es handelt sich hier allerdings streng genommen nicht um eine Beere), unter dem die Frucht in Deutschland vermarktet wird.
Die Indianerstämme im Amazonas nutzen die bis zu 30 m hoch wachsenden Palmen auf vielfältige Weise: die Palmwedel als Hüttendach, die stacheligen Wurzeln als Reibe zum Abraspeln der Haut des Hauptnahrungsmittels, der Maniokwurzel. Das Maniokmehl wird oft mit dem Fleisch der Açaí-Früchte vermischt und deckt so bis zu 70 % des täglichen Kalorienbedarfs der Eingeborenen. Zugleich wurden seit Anfang der 80er Jahre jährlich über 100 Mio. Dollar über den Export an Palmherzen in die USA umgesetzt. Sie gelten, den Artischocken vergleichbar, als Delikatesse. Die Vermarktung der Frucht außerhalb Brasiliens setzte erst um 2000 ein. Die Firma MonaVie aus Utah (USA), die eine Milliarde Dollar Umsatz macht, hat sich seit 2005 mit der Produktion eines auf Açaí-Fruchtfleisch basierenden Saftes als Marktführer durchgesetzt. In Brasilien selbst werden Açaí-Früchte außerdem verarbeitet in Eiscreme, Milchshakes, Cremespeisen oder Açaí-Pralinen, sie werden aber auch als Nahrung für Schweine und als Dünger zur Kompostierung verwertet.
Die Ernte der Frucht erfordert Erfahrung, Mut und Geschicklichkeit. Man muss die Bäume mit den reifen Früchten ausfindig machen, bis zu 30 m hoch hinaufklettern, sich Bienenstichen und Schlangenbissen aussetzen. Heutzutage wird die Erntearbeit relativ gut bezahlt.
“Açaí ist die Frucht einer Amazonas-Palme mit einem Nährstoffgehalt, der andere Früchte erröten lässt.“ (London Times)
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