DAOISTISCHE HEILKUNST

DAOISTISCHE HEILKUNST

Teil III: Die Qi-Übungen Qigong und Taiji quan

Das „Üben mit dem Qi“ führt zur Gesunderhaltung und Heilung vieler funktioneller Befindensstörungen. Die verschiedenen therapeutischen Methoden der chinesischen Medizin werden durch Qigong in idealer Weise ergänzt, da sie den Patienten dazu veranlassen, aktiv am Heilprozess teilzunehmen.

Die Qi-Übungen

Nach Meister Li Zhi Zhang sind die Übungen des Qigong lange vor der Chinesischen Medizin und ihren vielfältigen Therapieformen entstanden. Im Laufe der Jahrhunderte ergab sich jedoch, dass das „Üben (gong) mit dem Qi“ sowohl zur Gesunderhaltung als auch zur Heilung vieler funktioneller Befindensstörungen führt. So werden die Übungen in China heute ganz selbstverständlich mit den Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kombiniert. Sie gehören in China zur Ausbildung, um dem Studenten die eigene Erfahrung des „Qi“ zu vermitteln. Die verschiedenen therapeutischen Methoden der chinesischen Medizin werden durch Qigong in idealer Weise ergänzt, da sie den Patienten zur Eigeninitiative veranlassen, um aktiv am Heilprozess teilzunehmen.

Atmung und Bewegung, Konzentration und Meditation vereinen sich im Qigong zu einem umfassenden Übungssystem. Durchlässigwerden für das Qi des Makrokosmos, Aufnahme der kosmischen Energie durch die Atmung, bewusste Wahrnehmung des Qi- Flusses im Inneren des Körpers, in den Leitbahnen und den Organfunktionskreisen sind der Sinn der Übungen; harmonischer Energiefluss, Gleichgewicht der Kräfte im Zusammenspiel von Yin und Yang, Sammeln und Bewahren des Qi in den verschiedenen Zentren sind das Ziel.

Das Besondere an Qigong

Es gibt zwei verschiedene Arten von Qigong:

1. Übungen in Ruhe im Liegen, im Sitzen und im Stehen

2. Übungen in Bewegung Alle Übungen sind verbunden mit Konzentration, und zwar auf den Bewegungsablauf, auf das Erspüren des Qi in den Leitbahnen, den Organfunktionskreisen und den Energie-Sammelstellen.

Qigong entfaltet die natürlichen Fähigkeiten des Menschen. Es ist einerseits eine Form der traditionellen chinesischen Therapie, andererseits Meditation.

Zu Beginn der Übungen stellt man sich bewusst auf innere Ruhe ein (Vorbereitung), erst dann folgt die eigentliche Übung. Das bedeutet, dass Ruhe und Bewegung miteinander kombiniert werden. Durch die Bewegungen wird die innere Ruhe weiter vertieft, ohne innere Ruhe können keine ruhigen Bewegungen erfolgen. So enthält die Ruhe Bewegung, und Bewegung schließt das Ruhige nicht aus. Dadurch wirken die Übungen zugleich auf Psyche (Geist, Seele) und Körper, um ein harmonisches Gleichgewicht zwischen beiden zu erreichen. Diese Wechselwirkung, d.h. Übungen beruhigen, und Ruhe ermöglicht das Üben, ist das Besondere an Qigong.

Ruhige und bewegte Übungen

Das ruhige Üben wird im Sitzen, Liegen oder Stehen durchgeführt und ist verbunden mit Entspannung, Ruhe, Atmung und Konzentration. Die Konzentration richtet sich nach innen auf die Vorgänge im Körper: „innere Übungen“. Da also die Funktion der inneren Organe angeregt wird, spricht man von der Methode der Bewegung innerhalb der Ruhe.

Die bewegten Übungen bestehen aus Gliedmaßenbewegung, Selbstmassage und Klopfen auf die Leitbahnen und ihre Einflusspunkte. Sinn der bewegten Übungen ist es, jeden Teil des Körpers zu trainieren. Weil die Aktivität nach außen gerichtet ist, spricht man auch von „äußeren Übungen“. Die Gedanken sind ruhig, es ist also die Methode der Ruhe innerhalb der Bewegung.

Es gibt ungezählte Arten von Übungen. Es ist nicht wichtig, viele verschiedene Übungen zu praktizieren. Jeder sollte für sich herausfinden, welche Übungen ihm angenehm sind und gut tun – möglichst eine Ruhe-Übung und eine bewegte Übung –, und dann konsequent bei diesen Übungen bleiben. Eine abschließende Selbstmassage verstärkt die Wirkung und kann individuell an Beschwerden angepasst werden.

Wirkungen von Qigong

Die wissenschaftlichen Forschungen in China haben ergeben, dass bestimmte Substanzen im Hirnstoffwechsel (Serotonin, Noradrenalin) für die Wirkungen von Qigong von Bedeutung sind. Die Ergebnisse zeigen, dass der Begriff des Qi in enger Beziehung steht zum Zentralnervensystem (ZNS). Die gezielte Stimulation des ZNS kann nur durch regelmäßiges Training erlernt werden. Von der Intensität des Übens ist der Erfolg abhängig.

Qigong entfaltet die natürlichen Fähigkeiten des Menschen. Es ist einerseits eine Form der traditionellen chinesischen Therapie. Regelmäßiges Üben kann Erkrankungen vorbeugen, den Heilungsprozess unterstützen und zur Gesunderhaltung beitragen. Andererseits ist Qigong auch Meditation, bei der die Gedanken den Fluss des Qi begleiten. Sie sollen den Menschen zu innerer Harmonie führen und schließlich zur „Unsterblichkeit“ – Unsterblichkeit nicht im Sinne des irdischen Lebens, sondern in Bezug auf die unsterbliche Seele.

Taiji quan

Schließlich sei kurz Taiji quan erwähnt, das ursprünglich in Daoistischen Klöstern als Kampfsportart entwickelte Übungssystem zur Ertüchtigung der Mönche. Es basiert ebenso wie Qigong auf den philosophischen Grundlagen (vgl. VISIONEN 2/05) und wird heute weltweit vor allem von jüngeren Menschen praktiziert.

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