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In China gibt es für Akupunktur und Moxa-Behandlung nur ein Wort. Beide Behandlungsformen, „Stechen“ und „Brennen“ (Foto), dienen dazu, das in den Leitbahnen fließende „Qi“ anzuregen, und können für sich allein oder kombiniert, gleichzeitig oder nacheinander, angewendet werden.

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DAOISTISCHE HEILKUNST

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Teil II: Die Chinesische Therapie

„Das Schwergewicht der chinesischen Medizin liegt in der Vorbeugung und Beseitigung gestörter Funktionen. Zur Behandlung des gestörten Gleichgewichts steht an erster Stelle die Arzneimittelbehandlung, dann folgen Akupunktur, Moxa-Behandlung (Moxibustion) und physikalische Therapie. Auch eine Kombination der verschiedenen Behandlungsformen ist sinnvoll und im asiatischen Raum selbstverständlich.“ – (Fortsetzung aus VISIONEN, 2/05)

Die Chinesische Therapie

Der ursprüngliche Grundgedanke, vorbeugende, also gesund erhaltende Methoden zu pflegen, steht bis heute in China im Vordergrund. Hinzu kommt, dass gerade die funktionsbezogene chinesische Diagnostik schon frühzeitig Abweichungen erkennen lässt, noch ehe überhaupt ein organischer Befund sichtbar wird. Alle therapeutischen Maßnahmen werden entsprechend den erhobenen Befunden sehr spezifisch und gezielt eingesetzt.

Zur Behandlung des gestörten Gleichgewichts steht in China an erster Stelle die Arzneimittelbehandlung, dann folgen Akupunktur, Moxa-Behandlung (Moxibustion) und physikalische Therapie. Zu den das harmonische Gleichgewicht erhaltenden Maßnahmen gehören die Qi-Übungen und die Diätetik. Auch eine Kombination der verschiedenen Behandlungsformen ist sinnvoll und im asiatischen Raum selbstverständlich.

Neben Akupunktur und Moxibustion kann auch durch chinesische Massage und physikalische Therapie auf das Leitbahnsystem Einfluss genommen werden. Dies bewährt sich besonders bei der Behandlung von Kindern.

Die Arzneimitteltherapie

Sie basiert auf einer fast 2000-jährigen Erfahrung und ist eng mit der Entwicklung der theoretischen Grundlagen verbunden. Diese erlauben, die Mittel, v. a. Heilkräuter, Mineralien und tierische Substanzen, in ganz spezifischer Weise, dem momentanen Befinden des Patienten angepasst, zu verordnen. So gibt es z. B. bei einer „Migräne“ weder ein Standard- Schema für Akupunktur noch etwa ein „Migränemittel“, sondern eine individuell für den einzelnen Patienten zusammengestellte Arzneimischung, entsprechend seiner momentanen psycho-physischen Verfassung bei einer genau zu lokalisierenden Art von Kopfschmerzen (Leitbahnbereich).

An dieser Stelle sei kurz vermerkt, dass nach Lin Yutang kein wesentlicher Unterschied zwischen Speisen und Heilmitteln gemacht wird: Viele Speisen haben heilende Wirkung (Diätetik), Arzneimittel werden oft wie Speisen zubereitet und genossen. Beide folgen den traditionellen Grundregeln, v. a. den Prinzipien von Yin und Yang, und beachten das dynamische Wechselspiel der Funktionskreise und Entsprechungen, um die gesunde Balance zu erhalten oder wieder herzustellen.

Bei der chinesischen Arzneimitteltherapie werden Heilkräuter, Mineralien und tierische Substanzen in ganz spezifischer Weise verordnet, angepasst an das momentane leibseelische Befinden des Patienten.

Akupunktur und Moxibustion

In China gibt es für Akupunktur und Moxa- Behandlung nur ein Wort: „zhenjiu“ (zhen = Stechen, jiu = Brennen). Es umfasst die Methode, mit Hilfe von Nadeln oder durch Erwärmung über die Leitbahnen und Punkte auf krankhafte Störungen einzuwirken.

Akupunktur heißt „Nadel stechen“ (lat. acus = Nadel, pungere = stechen) und wird verwendet, um das in den Leitbahnen fließende „Qi“ anzuregen, zu stärken oder abzuschwächen, zu zerstreuen und abzuleiten. Durch Moxa (jap. mokusa = Wärmebehandlung mit Beifußkraut) wird der Fluss des „Qi“ angeregt und Yang-Energie zugeführt. Beide Behandlungen können für sich allein oder kombiniert, gleichzeitig oder nacheinander, angewendet werden.

Ist die Störung mit einem stärkeren Mangel an „Qi“ verbunden, muss die Akupunktur zunächst zurückgestellt werden. Durch Moxibustion oder entsprechend ausgewählte Arzneimittel kann die Mangelsituation ausgeglichen und dann – wenn noch nötig – auch mit Akupunktur behandelt werden.

Theoretische Grundlagenforschung

Akupunktur ist ein Teilaspekt der chinesischen Medizin. Sie kann nicht von ihren theoretischen Grundlagen getrennt werden. Dieser im Westen immer wieder unternommene Versuch wird nicht zur lebendigen Weiterentwicklung und Anerkennung der Methode beitragen können. Zwar gelingt es durchaus, einige Phänomene der Akupunktur mit analytischen Messmethoden zu erfassen, z. B. die nach Stechen eines Punktes auftretenden Veränderungen von Blutwerten, Muskel- oder Nervenreaktionen oder der Hirnstromkurven. Wissenschaftliche Arbeiten über derartige Untersuchungen in Ost und West liegen in großer Anzahl vor, doch erbringen sie bis jetzt nur den Nachweis, dass, nicht aber wie die Akupunktur wirkt.

Einen Schritt weiter führen in dieser Hinsicht eher die Forschungen über die Sensationen des „Qi“, auf die wir bereits hingewiesen haben (s. VISIONEN 2/05, S.62-63). Im Gegensatz zu den westlichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen haben die chinesischen Arbeiten das Ziel, die überlieferten Vorstellungen mit modernen wissenschaftlichen Methoden zu deuten und die Richtigkeit der theoretischen Grundlagen zu beweisen. Analytische Messungen tragen dazu nur Teilergebnisse bei.

Wirkungen der Akupunktur

Nach chinesischer Auffassung kann als gesichert gelten, dass Akupunktur schmerzlindernd, immunstimulierend, anti-entzündlich und harmonisierend wirkt. Die Wirkung erfasst also den ganzen Körper mit all seinen komplexen Funktionen als Leib-Seele-Einheit. Dies erklärt die zahlreichen Indikationen für die Akupunkturbehandlung.

Die Schmerzbehandlung kommt in akuten und chronischen Fällen in Betracht, v. a. bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, Neuralgien und bei Migräne. Dies gewinnt an aktueller Bedeutung, seit immer mehr schädliche Nebenwirkungen von Analgetika (Schmerzmitteln) bekannt werden. So ist an den meisten internationalen Schmerzzentren inzwischen die Akupunktur als analgetisch wirksame Therapie etabliert.

Die das Immunsystem stimulierende und anti-entzündliche Wirkung ist mit verschiedenen Messmethoden nachweisbar. Dieser Effekt wird in China in großem Umfang genützt: Bei der Behandlung von Infektionskrankheiten, von Grippe über Parotits epidemica (Mumps) bis Ruhr und Malaria – Indikationen, die der westlich geschulte Arzt kaum für sinnvoll hält. Teilweise werden bei diesen Erkrankungen westliche Medikamente, z. B. Antibiotika, zusätzlich verabreicht, evtl. in Akupunkturpunkte injiziert, wobei die Dosierung der Medikamente wesentlich verringert werden kann.

Rheumatische Erkrankungen stehen nach heutigen Erkenntnissen in engem Zusammenhang mit dem Immunsystem. Eine Stimulation durch Akupunktur ist besonders in den Anfangsstadien wirksam und kann den weiteren Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen.

Auch bei örtlichen Entzündungen, Furunkeln, infizierten Wunden, Verbrennungen usw. kann die Akupunktur den Heilprozess beschleunigen und unterstützen, die Narbenbildung günstig beeinflussen. Antientzündlich und schmerzlindernd wirkt Akupunktur beim Herpes zoster (Gürtelrose). Wird sofort im Anfangsstadium behandelt, so kommt es im Allgemeinen nicht zu den so gefürchteten Neuralgien. Die Hauterscheinungen klingen sehr schnell ab, im Gesicht kann das Übergreifen auf das Auge meist verhindert werden.

Die harmonisierende Wirkung der Akupunktur ist ein Phänomen der Balance von Yin und Yang. Es ist anzunehmen, dass durch die Nadelung ein Anstoß gegeben wird zu Selbstregulierungsmechanismen. An diesem Prozess sind vor allem biochemische, neurohumorale und hormonelle Reaktionen beteiligt.

Die Wirkung der Akupunktur auf den Gehirnstoffwechsel wird besonders in China, Japan und Amerika, aber auch in Europa erforscht. Erfolge mit Akupunktur bei Epilepsie, Depressionen und Schizophrenie haben dazu beigetragen, diesem Effekt besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Hier könnte der Schlüssel zur Erklärung in der traditionellen Vorstellung von Yin und Yang liegen.

Depressionen und Schizophrenie haben dazu beigetragen, diesem Effekt besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Hier könnte der Schlüssel zur Erklärung in der traditionellen Vorstellung von Yin und Yang liegen.

Möglichkeiten und Grenzen der TCM

Das östliche Denken öffnet den Blick auf eine Betrachtungsweise, bei der der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele im Mittelpunkt steht. Der Mensch des Abendlandes ist in Gefahr, diese ursprüngliche Einheit, seine Mitte, zu verlieren – technischen Errungenschaften und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen immer mehr Vorrang zu gewähren.

jDie traditionelle chinesische Medizin (TCM) bietet uns – ebenso wie andere Wege der Medizin, z. B. die Naturheilverfahren – eine andere Sicht von Gesundheit und Krankheit, die den Arzt in seinem Denken und Handeln befruchten kann. Auch der Patient ist gefordert, aktiv mitzuwirken, die Gesundheit, das Gleichgewicht der energetischen vitalen Kräfte nicht zu gefährden bzw. zu seiner Wiederherstellung selbst beizutragen.

Von diesen Vorstellungen ausgehend liegt das Schwergewicht der chinesischen Medizin in der Vorbeugung und in der Beseitigung der gestörten Funktion. Sie ermöglicht, Tendenzen frühzeitig zu erkennen, das Immunsystem zu stimulieren und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ist dies nicht (mehr) möglich, kann oft noch das Befinden gebessert werden. Jedoch wird auch die Grenze sichtbar, die der fortschreitende Krankheitsprozess der chinesischen Medizin setzt.

Auf der anderen Seite steht die westliche Medizin mit ihren hoch spezialisierten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Überragende Erfolge erreicht sie, wenn organische Schädigung entstanden ist, ein Gelenk ersetzt, ein Gefäßverschluss beseitigt, ein Tumor entfernt werden kann, wenn moderne Medikamente vielleicht lebensrettend zum Einsatz kommen.

Wie in China sollten Arzt und Patient auch im Westen von den Möglichkeiten und Grenzen beider Heilsysteme wissen. Nur dann ist es möglich, aus dem breiten Spektrum diagnostischer und therapeutischer Verfahren auszuwählen und entsprechend zu behandeln oder zu verordnen.

Nächste Folge: Die Qi-Übungen Qigong und Taiji quan

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