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Fitness - oder doch nur Kondition?

Fitness - oder doch nur Kondition?

Kirti P. Michel fragt nach der Ganzheitlichkeit von Fitness und zeigt einige Übungen

Die Medien berichten, dass wir seit den 80er Jahren einen stetig wachsenden Fitnessboom erleben. Wellness-Oasen präsentieren mittlerweile eine Riesenauswahl an Kursen von Aerobic, Indoor Cycling, Pilates, Tai Chi, Feldenkrais, Qi Gong, Shiatsu, Autogenem Training bis Yoga u.a. Was verbirgt sich hinter dem Begriff der Fitness, der – wie so viele Anglizismen – nicht mehr so altbacken klingt wie „Turnen im Sportverein“?

Was ist Fitness?

„Meyers kleines Lexikon des Sports“ bezeichnet FITNESS als „einen durch sportliches Training erreichten guten körperlichen (und geistigen) Gesamtzustand des Menschen“. Und der ist in unserer hektischen, überreizten Zeit mehr als notwendig: Durch vielfältige Ansprüche im Arbeitsalltag und im privaten Bereich entstehen Druck- und Belastungssituationen. Stress ist mittlerweile eines der größten Gesundheitsprobleme. Intellektuell sind wir ungeheuer beweglich und flexibel geworden, aber wir können kaum noch abschalten – die Gedanken eilen immer schon dem Augenblick voraus.

Hingegen hat der natürliche Drang zur körperlichen Bewegung rapide abgenommen. Berufstätige verbringen den größten Teil des Tages sitzend im Büro, in Auto, Bus und Bahn und den Rest der Freizeit vor dem Fernseher. Die zunehmende Bewegungsarmut hat die Bundesgesundheitsministerin veranlasst, die Kampagne „Bewegung und Gesundheit“ unter dem Motto „Deutschland wird fit. Machen Sie mit“ zu starten. Der Bürger soll wieder angeregt werden, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.

Die Beweggründe, regelmäßig ein Fitness-Studio zu besuchen, sind sehr unterschiedlich. Für den Erwachsenen reiferen Alters – die so genannte 50+-Generation – geht es in erster Linie um Vitalität, Widerstandskraft, Regeneration und soziale Kontakte. Dem jugendlichen Fitnessbegeisterten erscheinen der heiß begehrte Waschbrettbauch und ein attraktives Äußeres schon eher als ein lohnendes Motiv für das schweißtreibende Workout. Zudem bietet der Besuch eines Fitnesstempels auch die Aussicht, zu sehen und gesehen zu werden. Nicht wenige betrachten das Studio als Kontaktbörse.

Bei der Vielfalt der Möglichkeiten und Angebote kann man nicht mehr, ohne zu pauschalisieren, von „der Fitness-Szene“ sprechen. Es gibt da keinen einheitlichen Qualitätsstandard. Doch in vielen Unternehmen ist der Anspruch an einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Gesundheit gewachsen, wobei großer Wert auf die Funktionalität der Trainingsmethoden gelegt wird. Genaueste Kenntnisse der Anatomie sind für Trainer erforderlich geworden, um die Grenzen und Möglichkeiten der Belastbarkeit ihrer Klienten besser einschätzen zu können. In Zusammenarbeit mit Sportärzten werden Trainings- und Ernährungspläne erstellt. Der Anspruch geht dahin, wissenschaftlich messbare Daten zu sammeln, um die Erfolge des Trainings besser steuern zu können. Das Positive daran ist, dass Trainingsmethoden genauer erforscht und auch die Auswirkung auf die seelisch-geistige Befindlichkeit ansatzweise berücksichtigt werden. Dies erklärt, weshalb es in den letzten zehn Jahren zu einer wachsenden Integration populärer fernöstlicher Methoden wie Yoga, Tai Chi und Qi Gong kommen konnte, auf die kein Fitnessunternehmen mehr verzichten mag.

Allerdings kann das Bestreben, Effektivität zu kontrollieren, leicht zu einem dogmatischen Festhalten an wissenschaftlichen Fakten führen. Es wird letztlich nur das äußerlich Sichtbare beschrieben, aber nicht die lebendigen Wechselwirkungen von körperlichen und seelischen Abläufen. Der typisch westliche, sportorientierte Ansatz befindet sich in dem Dilemma, dass eine sehr bewegungsintensive Auseinandersetzung mit dem Körper nicht notwendigerweise in den Bereich des Fühlens vordringt. Häufig offenbart die Sprache den Mangel an Empfindungsfähigkeit und Sensibilität. Im Rückzug auf eine rein funktionalistische Begrifflichkeit wie „sportorientiertes Gesundheitsmanagement“ und „Strategieentwicklung“ wird eine in Fitnesskreisen merkliche Unsicherheit deutlich, was den Gefühlsbereich, das unbekannte Terrain der Innenwelt, angeht.

Die inneren Aspekte

Wie soll man auch mit sich selbst vertraut werden, wenn es im schnellen Bewegungsablauf eines Fitness-Workouts keine Pausen gibt – nicht nur zum Verschnaufen, sondern zum intensiven Fühlen des eigenen Seins?! Das Gewähren von Zeit und Raum, um sich in aller Ruhe und Gelassenheit selbst wahrzunehmen, ist wohl der wesentliche Grund für die zunehmende Beliebtheit von Yoga. In Yoga-Kursen finden Teilnehmer die kostbare Gelegenheit, sich einmal von allen äußeren Anforderungen lösen zu können. Hier wird es möglich, sich der innerlich und äußerlich bewegenden Kraft des Atems hinzugeben und den Energiefluss in Körper, Geist und Seele zu spüren.

Wenn Fitness seiner eigenen Definition gerecht werden will, ist die Hinwendung zu einer neuen Innerlichkeit vonnöten. Die ständig begleitende Frage sollte sein: Ist meine innere Haltung angespannt oder gelassen und gelöst? In diesem Sinne sollen die folgenden Übungen einen Einstieg bieten zu einem Mini-Fitnesstraining, das wesentliche Aspekte berücksichtigt: Lockerung, Koordination, Atembewusstheit, Kräftigung, das Anwachsen von Belastbarkeit und das Entwickeln eines Gefühls für die rechte Balance von Stabilität und Flexibilität.

Zwei Übungen

Stell dich zunächst entspannt hin und schüttele zur Lockerung den ganzen Körper aus.

1. Das Abrollen auf den Füßen: (s. Foto links) Gehe nun in die Hocke und stütze die Hände vor dir am Boden ab. Rolle auf den Zehen vor und zurück. Wenn die Knie den Boden berühren, geht der Kopf nach hinten und das Brustbein schiebt sich nach vorne. Beim Abrollen der Füße nach hinten sinken die Fersen zum Boden. Spreize die Beine soweit wie möglich auseinander, dass sich der Oberkörper tiefer absenken kann. Versuche, mit den Unterarmen den Boden zu berühren. Führe die Bewegung im Rhythmus mit der Atmung aus. Füße, Beine, Becken und Rücken werden gelockert und gekräftigt. Atme tief in den Bauch- und den Brustraum. Die Druckwelle massiert die Gedärme und Organe. Im Becken, im Rücken und im Bauchraum entsteht ein kraftvolles Gefühl.

2. Das Gefaltete Blatt: Setze dich nun einen Moment auf die Fersen. Falls notwendig, nimm ein Kissen, um die Beine zu entlasten. Lege nun den Oberkörper auf die Oberschenkel. Die Hände ruhen neben den Füßen. Werde in dieser Haltung vertraut mit dem Gefühl der Enge im Bauch- und im Brustraum. Atme behutsam – mit der Zeit tiefer und voller. Falte nun die Hände hinter dem Rücken. Hebe die gestreckten Arme mit der Einatmung nach oben, lasse sie mit der Ausatmung wieder sinken. Wiederhole diese Bewegung im Atemrhythmus. Arme, Schultern, Brust und Rücken werden gelockert und gekräftigt. Halte nach einer Weile die Arme gestreckt und lasse den Atem ruhig und tief werden. Konzentriere dich auf das Gefühl der Kraft zwischen den Schulterblättern.

Richte dich langsam wieder im Fersensitz auf. Neige den Kopf nach vorne, um den Nacken zu dehnen. Drücke die Schultern nach unten. Spüre, wie die Atemkraft mit der Einatmung entlang der Wirbelsäule emporsteigt und mit der Ausatmung absteigt. Richte dann den Kopf langsam auf. Ruhe einen Moment in dieser Haltung. Lege dich anschließend für 5 – 10 Minuten zur Tiefenentspannung.

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