Hildegards Heilwissen für unsere Zeit
Im Gespräch mit Dr. Wighard Strehlow
Fotos: Archiv Strehlow
Können Sie sich noch an den Moment erinnern, in dem Sie zum ersten Mal von Hildegard von Bingen hörten?
Ich war in der Pharmaindustrie im Ressort Naturheilkunde beschäftigt. Anfang der 1980er Jahre ging der Trend in Richtung Natur. Unter Pharmazeuten findet man kaum jemanden, mit dem man über dieses Thema vernünftig sprechen kann. In Konstanz gab es jedoch einen Arzt, Dr. Hertzka, der in seiner Praxis Naturheilverfahren anwandte. Den habe ich aufgesucht und mit ihm über die Produkte diskutiert, die wir auf den Markt bringen wollten. Als er mir sagte, dass all das schon im 12. Jahrhundert bekannt war, hat mich das natürlich sehr überrascht. Ich fragte ihn, woher er das denn wisse, daraufhin schenkte er mir das Buch Causae et Curae (Ursachen und Heilungen) von Hildegard von Bingen. Darin beschrieb sie Pflanzen und Methoden, auch die Moxibustion, die damals das Thema überhaupt war. Wir hatten geplant, sie als Neuheit aus der asiatischen Medizin in Europa vorzustellen, dabei war sie schon im Mittelalter bekannt. Daraufhin habe ich Dr. Hertzka immer wieder besucht. Er war bereits 70 Jahre alt und suchte einen Nachfolger. Ich habe mit ihm bis zu seinem Tod 1997 zusammengearbeitet.
Hildegard hat 2000 Behandlungsmethoden hinterlassen. Allein auf dem Gebiet der Ernährung, sagt sie, lägen die Hauptursachen vieler Krankheiten. Zwischen 40 und 55 % aller Faktoren, warum jemand krank wird, basieren auf einer falschen Ernährung.
Wo sehen Sie Möglichkeiten und Grenzen der Hildegard-Medizin?
Möglichkeiten gibt es unendlich viele, denn Hildegard hat 2000 Behandlungsmethoden hinterlassen. Allein auf dem Gebiet der Ernährung, sagte sie, lägen die Hauptursachen vieler Krankheiten. Zwischen 40 und 55 % aller Faktoren, warum jemand erkrankt, basieren auf einer falschen Ernährung. Der Dinkel ist unser Hauptheilmittel für Magen und Darm. Er ist auch ein Prophylaktikum für viele Krankheiten und Krebsarten. Es gibt eine amerikanische Studie: Prevention of Cancer by Food and Nutrition, die über fünf Jahre lief, initiiert vom World Cancer Research Fond und der American Cancer Society. Dabei stellte sich heraus, dass die Ursachen für eine Krebserkrankung zu 40 % in der Ernährung und zu weiteren 40 % im Lebensstil liegen. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn Sie wüssten, was Sie essen und trinken sollten, und wenn Sie den Stress beseitigen – Beziehungen, Mobbing und all das, was wir heute so als Stress bezeichnen – und anstelle dessen das harmonische Gleichgewicht wiederherstellen, ließe sich die Krebsrate in der westlichen Welt um 80 % reduzieren.
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