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Tier Zuliebe! Plädoyer für den Fleischverzicht

Tier Zuliebe! Plädoyer für den Fleischverzicht

Vier Experimente, vier Meinungen

Antibiotika im Hähnchenfleisch, mit Umweltgiften belasteter Fisch, qualvolle Bedingungen in Masttierzuchtanlagen. Die Medien berichten über skandalöse Zustände. Die Menschen sind empört und betroffen, kaufen sich aber bedenkenlos an der nächsten Bude eine Wurst, bestellen im Restaurant ein Steak oder machen sich ein Salamibrot. Der Mensch ist ein Meister der Verdrängung. Dabei wäre es so leicht, etwas zu ändern, wenn nur jeder seinen Teil dazu beitragen würde, oder ist das zu einfach gedacht? Vier Autoren haben einen Selbstversuch gestartet und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt

„Wir sind Meister im Verdrängen“, sagte kürzlich der Dokumentarfilmer Henning Christoph. „So ein Hähnchen in der Kühltruhe hat nichts Abstoßendes oder Blutiges an sich. Es ist ja schon tot.“ Ganz anders sähe es aus, wenn wir das Federvieh selbst schlachten müssten. Wenn die Daunenjacke oder –decke bei kalten Temperaturen wohlige Wärme spendet, denkt wohl kaum jemand daran, dass den Gänsen, die eben diese Daunen geliefert haben, die Federn bei lebendigem Leib ausgerissen wurden.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist ambivalent. Für viele ist es kein Widerspruch, tierlieb zu sein, vielleicht selbst einen vierbeinigen oder gefiederten Hausgenossen zu haben und gleichzeitig Wurst, Fleisch und andere tierische Erzeugnisse zu essen.

Niedrige Preise

In Zeiten der Massentierhaltung ist Fleisch kein Luxus mehr, der nur der wohlhabenden Oberschicht vorbehalten ist. Überlebenswichtig ist der Fleischverzehr für den modernen Menschen auch schon lange nicht mehr. Warum also stehen Schnitzel und Bratwurst nach wie vor bei der Mehrheit der westlichen Bevölkerung ganz oben auf dem Speiseplan? Ist es eine gesellschaftliche oder kulturelle Frage? Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen sprechen für sich: 98 % der in Deutschland für den Verzehr gehaltenen Tiere stammen aus Massentierhaltungsbetrieben. Jährlich werden hierzulande rund 56,4 Mill. Schweine, 3,8 Mill. Rinder und Kälber, 1 Mill. Schafe und Lämmer, rund 28.000 Ziegen und rund 9,500 Pferde geschlachtet.

Da der Verbraucher niedrige Preise verlangt, kommt die Industrie dieser Nachfrage nach, indem immer mehr Fleischerzeugnisse auf den Markt kommen, die Zahl der Schlachtungen und das Tierleid steigen demzufolge immer weiter an. Und das sind nur die Fakten, die Deutschland betreffen. „Die Geflügelindustrien von China und Indien sind seit den 1980er Jahren jährlich um 5 bis 13 % gewachsen. Wenn die Welt dem amerikanischen Vorbild (mit einem Verzehr von 27 – 28 Vögeln pro Kopf und Jahr) folgt, wird sie jährlich 165 Milliarden Hühner essen. „Und wie weiter? 200 Milliarden? Werden die Käfige höher gestapelt oder kleiner gemacht oder beides?“, fragt der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer, der sich für sein Buch Tiere essen (siehe Tipps) ausführlich mit Massentierhaltung in den USA auseinandergesetzt hat.

Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
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