Vegetarisch Leben!
Die meisten Vegetarier sind Menschen, die verstanden haben, dass wir als Beitrag zu einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft zunächst das Problem der Gewalt in unserem eigenen Handeln lösen müssen. Sie sind sich bewusst geworden, dass der Fleischkonsum eine massive Gewaltanwendung gegen andere Lebewesen mit sich bringt, was nicht nur überflüssig, sondern auch ethisch unverantwortbar ist …
Das Wissen um das Karma-Gesetz deckt die weit reichenden Folgen des Tieretötens und Fleischessens auf: Wo viele Menschen sich individuell eine von Gewalt geprägte Karma-Last aufladen, wird nicht nur ihr eigenes Leben und Bewusstsein beeinflusst, sondern auch das Schicksal der Gemeinschaft dieser Individuen, letztlich der gesamten Menschheit.
Kollektives Karma und die Weltsituation
So gilt das Gesetz des Karma nicht nur individuell, sondern auch kollektiv, das heißt auch in Bezug auf die positiven und negativen Handlungen, die eine ganze Gruppe von Menschen (Familie, Gemeinde, Nation, ja die Bevölkerung eines gesamten Planeten) gemeinsam ausführt oder toleriert. Wenn die Menschen kollektiv sicherstellen, dass die Schöpfungsgesetze eingehalten werden, profitiert die gesamte Gesellschaft. Wenn eine Gesellschaft hingegen ungerechte und gewalttätige Handlungen fördert oder zulässt, wird sie sich dafür verantworten und die entsprechenden kollektiven Karma-Reaktionen ernten müssen, was sich beispielsweise durch Kriege, Naturkatastrophen, Seuchen oder Epidemien äußern kann.
Viele Menschen fürchten sich heute vor einem Krieg, aber gleichzeitig lassen sie es zu, dass Tag für Tag in Schlachthöfen, Mastfabriken und Tierversuchslaboratorien auf der ganzen Welt mindestens ebenso grauenvolle Massaker durchgeführt werden - und erkennen nicht, wie eng diese Gewaltaktionen miteinander verbunden sind.
„Tiere sind meine Freunde, und meine Freunde esse ich nicht!“
Wer hingegen diese Zusammenhänge versteht, wird angesichts der heutigen Weltsituation sehr nachdenklich werden. Denn obschon der Verzehr von Fleisch im deutschsprachigen Raum seit Ende der achtziger Jahre etwas zurückgegangen ist (auf immerhin noch 60-80 kg pro Person jährlich!), steigt trotz aller Warnrufe der weltweite Fleischkonsum immer mehr an. Die Statistiken besagen, dass sich in den Industrienationen der jährliche Pro-Kopf-Fleischverzehr seit dem Zweiten Weltkrieg fast verdoppelt (und weltweit mehr als verdreifacht) hat, und in den vergangenen Jahren sind die westlichen Fleischkonzerne auch in den geöffneten Ostblock eingedrungen, um dort den Konsum anzuheizen und über diesen neuen Absatzmarkt noch höhere Profite einzufahren.
Die Macht des einzelnen Menschen
Was aber können wir als Einzelpersonen angesichts dieser vermeintlichen Übermacht tun? - Nun, wir können bei uns selbst beginnen!
Wie wir gesehen haben, ist es heute notwendiger denn je, dass jeder einzelne Mensch seine Ernährungsweise reiflich überdenkt und einsieht: Das Essen von Fleisch ist nicht bloß eine Privatsache! Zu groß sind die Schäden, die dadurch angerichtet werden - für die eigene Gesundheit, für die Tiere, für die Umwelt, für den gesamten Planeten.
Gemäß neuesten Statistiken verzehrt der deutschsprachige Durchschnittsbürger im Laufe seines Lebens rund 19 Rinder, 32 Schweine, 670 Hühner sowie Ziegen, Schafe, Rehe, Pferde und unzählige See- und Meeresfische! Insgesamt werden in Deutschland jährlich rund 450 Millionen Tiere geschlachtet - Fische und Meerestiere noch nicht mitgerechnet. Das heißt, jede Stunde kommen über 50'000 Tiere unter das Schlachtermesser - nur weil wir Fleisch essen wollen. Wie können wir erwarten, dass die wachsenden Weltprobleme gelöst werden, solange wir als Einzelne nicht bereit sind, unseren eigenen Lebensstil zu hinterfragen und zu ändern?
Das Gesetz des Karma lässt uns nicht nur die drohenden globalen Reaktionen des Fleischessens erahnen, sondern es zeigt uns zugleich auch den praktischen Ausweg. Denn selbst wenn unser persönliches Umsteigen auf die vegetarische Lebensweise weltweit nicht viel zu ändern scheint, ändert dieser Schritt doch unser individuelles Karma! Und das kollektive Karma ist nichts anderes als die Summe der gesamten individuellen Karma-Reaktionen aller Menschen …
Vegetarismus und Bewusstseinswandel
Das Verständnis des Karma-Gesetzes lässt auch die eigentliche Ursache der vielfältigen Gefahren erkennen, die heute die gesamte Menschheit bedrohen: das unwissende und gottlose Handeln der einzelnen Menschen und der verantwortungslosen multinationalen Konzerne und Regierungen.
Die leidende Mutter Erde wankt nicht unter der zu großen Anzahl Menschen, sondern unter der zu großen Anzahl Menschen, die sich falsch verhalten. Gesundheit, Gerechtigkeit, Friede und eine lebenswerte Zukunft bleiben Utopie, wenn nicht etwas unternommen wird, um die Handlungen, die schlechtes kollektives Karma nach sich ziehen, einzudämmen. Die Wissenschaftler, die Politiker und auch die Vertreter der großen religiösen Institutionen haben darin offensichtlich versagt, denn ihnen scheint das Wissen über die höheren Naturgesetze und über den Schöpfer der Natur verloren gegangen zu sein.
Die Veda-Schriften Indiens bezeichneten das Zeitalter, in dem wir Menschen nun schon seit mehreren Jahrtausenden leben, als Kali-yuga, als ein „Zeitalter der Spaltung“, das heißt als ein Zeitalter der Konflikte und der zunehmenden Entfremdung des Menschen von sich selbst und von der Schöpfung. Sie prophezeiten, dass sich die Reichtümer der Erde aufgrund des ungöttlichen Verhaltens der Menschen im Verlauf dieses Zeitalters immer mehr vermindern werden, so dass die Menschen gezwungen sein werden, den ganzen Tag hart zu arbeiten, nur um einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen zu bekommen.
Diese Weissagung ist schon lange alltägliche Realität geworden: Die meisten Menschen haben kaum mehr für anderes Zeit als fürs Essen, Schlafen, Arbeiten und Sich-Erholen von der Arbeit. Kaum jemand findet mehr die innere und äußere Ruhe, sich mit den höheren Fragen des Lebens, mit Ethik, Philosophie und Religion, zu beschäftigen. Doch genau dies wäre die eigentliche Aufgabe des Menschen, der ja – im Gegensatz zum Tier – für jedes Handeln und auch für jedes Nichthandeln in seinem Leben selbst verantwortlich ist.
Die Lösung ist also nicht einfach nur der Vegetarismus, sondern ein insgesamt ethischer, gottesbewusster Lebensstil, der als natürliche Folge den Vegetarismus mit einschließt. Über die vegetarische Ernährung hinaus beinhaltet dieser angestrebte Lebensstil auch die Entwicklung eines umfassenden individuellen und kollektiven Bewusstseinswandels.
Ein solcher grundlegender Bewusstseinswandel wird nur dann glaubhaft und beständig sein können, wenn er auch konsequent und sichtbar im praktischen Leben umgesetzt wird, angefangen damit, dass man jede Tätigkeit in Dankbarkeit, Respekt und Liebe ausführt. Dieses Prinzip des dankbaren, respektvollen und liebenden Handelns kann in allen Lebensbereichen angewandt werden, auch und speziell in Bezug auf das Essen. Und vegetarisch zu leben ist ein erster konstruktiver Schritt in diese Richtung.

