YOGA FÜR KINDER
Yoga hilft Kindern, ein neues Körpergefühl zu entwickeln. Die Übungen stärken die Muskulatur und verbessern die Haltung. Gleichzeitig fördern sie die Konzentration und wirken ausgleichend. Aber wie bringt man die Kleinen dazu, mit Freude an die Sache heranzugehen?
Die indische Schauspielerin Nessha Siingh fand heraus, dass man die einzelnen Übungen mit kleinen Geschichten verbinden kann. Auf diese Weise kommt der Spaß nicht zu kurz, und gleichzeitig erklären sie die Basis des Yoga. Das Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit haben Mini Thapar und Nessha Siingh in einem wirklich schön gestalteten Buch mit dem Titel Guten Morgen, liebe Sonne! zusammengestellt (siehe Buchtipp). Damit können Eltern mit ihren Kindern Schritt für Schritt üben. Besser kann man Fitness, Gesundheit und Freizeit für Groß und Klein nicht kombinieren.
Und so wird’s gemacht:
Die Vorbereitungen sind wie beim Yoga für Erwachsene: Ein gut gelüfteter, aber nicht zu kalter Raum. Lockere bequeme Kleidung, keine Strümpfe oder Gymnastikschuhe, denn die Füße sollen einen festen Stand haben, eine Matte oder Decke. Übungen mit vollem Magen sollten Sie vermeiden. Mini Thapar empfiehlt nach Hauptmahlzeiten zwei Stunden zu warten und nach kleinen Snacks eine Stunde. Ihr Tipp: Die Dauer der Yoga-Übungen langsam ausdehnen, nicht gleich aufgeben, wenn eine Position nicht auf Anhieb klappt. „Zwingen Sie Ihren Körper nicht, etwas zu tun, was sich zu schwierig anfühlt“, warnt die Expertin, denn „er warnt Sie vor Überforderung.“
Die ersten Schritte
Für alle Altersgruppen gilt: Aufwärmen am Beginn, Entspannen und Ausruhen am Ende. Geatmet wird immer durch die Nase, es sei denn, der Yoga-Lehrer oder die Lehrerin empfiehlt etwas anderes. Wird bei einer Übung die rechte Seite gestärkt, so wird sie im nächsten Durchgang für die linke Seite wiederholt. Mini Thapar und Neesah Siingh stellen in ihrem Buch Übungen für verschiedene Altersgruppen vor. So können Eltern verhindern, dass sie ihrem Nachwuchs zu viel zumuten.
Aufwärmen
Aufwärmen ist sehr wichtig, um Verletzungen zu vermeiden. Wir stellen hier drei Übungen vor. Dabei werden Nacken, Schultern, Arme Beine und Hüften erwärmt. Wenn Sie mit Ihren Kindern üben wollen, sollten Sie unbedingt auch Übungen für Rücken, Brust und Bauchbereich durchführen.
Im Schneidersitz, den Rücken leicht gestreckt, beginnen alle damit, die Augen langsam kreisen zu lassen. Zuerst rollen die Augen an die Decke, dann nach unten. Dabei den Kopf nicht bewegen. Das Ganze sechsmal wiederholen. Den Kopf ganz langsam heben, bis man die Decke sehen kann. Das Kinn auf die Brust senken. Rücken und Gesicht bleiben dabei ganz entspannt. Auch diese Übung sechsmal wiederholen. (s. Abb.)
Die Arme seitlich ausstrecken und von den Schultern bis in die Fingerspitzen anspannen, danach die Arme ganz schnell „wie die Flügel einer Hummel“ auf und ab bewegen.
Alle stellen die Füße hüftbreit auseinander und gehen dabei in die Hocke. Dabei mit dem Po Auf- und Abbewegungen machen. Dabei rückwärts von 10 bis 1 zählen. Danach strecken alle die Hände über dem Kopf, die Handflächen liegen aneinander, alle springen wie eine Rakete auf und hüpfen zehnmal auf und ab. Danach wieder in die Hocke gehen und mit dem Po wippen. Die Übung sechsmal wiederholen.
Die nachstehend vorgestellten Übungen eignen sich für Kinder ab 3 Jahren.
Guten-Morgen-Streckübung
Alle setzen sich so hin, dass der Po auf den Fersen sitzt. Tief einatmen und dabei die Arme über den Kopf heben. Beim Ausatmen die Arme langsam wieder sinken lassen, dabei den Oberkörper nach vorn beugen bis der Kopf auf dem Boden liegt. Die Übung dreimal wiederholen. Der Sonnengruß ist ideal, um morgens wach zu werden. (s. Abb.)
Strecken und Blutzirkulation anregen
Die nächste Übung heißt der Gipfel. Sie stärkt die Arme und Schultern, streckt den Rücken und bringt den Kreislauf auf Trapp. Hände und Füße stehen dabei flach auf dem Boden, der Po streckt sich in den Himmel. Vier bis fünf Atemzüge lang bleiben alle in dieser Position. (s. Abb.)
Zur Ruhe kommen und konzentrieren
Bei dieser Übung richten sich alle kerzengerade auf und werden zum Berg, der still und unbeweglich dasteht. Die Füße sind fest mit der Erde verwurzelt, der Blick geht geradeaus. Die Position ein paar Atemzüge lang halten. (s. Abb.)
Strecken und Balance fördern
In der nächsten Übung werden alle zum Baum. Dazu müssen die Füße hüftbreit auseinander stehen. Die Arme recken sich in die Höhe, wie Zweige, die in den Himmel streben. Die Handflächen treffen über dem Kopf aufeinander und bilden die Baumkrone. Dann wiegen sich alle von rechts nach links und von vorne nach hinten. Die Übung mehrmals wiederholen.
Geschichten erzählen
Die Geschichten, die sich Neesha Siingh zu diesen ersten Schritten ausgedacht hat, richten sich an Kinder zwischen 3 und 5 Jahren oder an Anfänger. Dabei „versuchen wir, behutsam verschiedene Aspekte des Yoga anzusprechen“, so Neesha. Das Hauptaugenmerk liege auf der Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit, des Körpergefühls und des Selbstvertrauens.
„Kleine Kinder sind beweglich, doch es fehlt ihnen oft an Kraft“, weiß die Expertin. Im Hinblick darauf haben Neesha und Mini bei der Zusammenstellung der Übungen darauf geachtet, dass die Geschichten die natürliche Begabung der Kinder und den Spaß am Nachahmen fördern. Die Kleinen werden zum Berg oder Baum und können dabei ihrer Phantasie und Vorstellungskraft freien Lauf lassen.
Entspannen
Jede Yoga-Stunde endet mit einer Entspannungsübung. Dabei legen sich alle flach auf den Rücken. Ein Knie zur Brust ziehen und mit den Armen umschlingen, um es fest an den Oberkörper zu drücken und alle versuchen, es mit der Stirn zu berühren. Dabei vollständig ausatmen. Übung mit dem anderen Bein wiederholen. Danach die Arme über den Kopf und die Beine ausstrecken. Mehrmals ein- und ausatmen. Die Gedanken einfach loslassen.

