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Konzentrationsübung/Meditation: Augenübung

Buchtipps

Doris Iding / Katja Kaiser
Yoga der Gegenwärtigkeit. 40 Übungskarten mit Begleitbuch
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YOGA DER GEGENWÄRTIGKEIT

YOGA DER GEGENWÄRTIGKEIT

Die Ethnologin, Yogalehrerin und Autorin Doris Iding leitet zur wachen Entspannung im Alltag an

Yoga, ein Übungsweg, der den Menschen zu seiner Ganzheit führen möchte, zählt zu einer der ältesten spirituellen Traditionen der Welt. Seit mehr als 3500 Jahren hat sich auf den vielen verschiedenen Wegen des Yoga eine kaum vorstellbare Menge an unschätzbar großem Wissen darüber angesammelt, wie der menschliche Körper, sein Geist und seine Seele strukturiert sind, zu welchen Störungen es auf der physischen und psychischen Ebene kommen und was man tun kann, um in einem Fall der Disharmonie wieder eine Balance herzustellen – oder letztere bis ins hohe Alter aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus zeigt Yoga aber im Idealfall auch Wege auf, wie man Körper und Geist überwinden kann, um eine endgültige Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und somit aus dem Kreislauf des nie endenden physischen und psychischen Leidens zu finden.

In den letzten Jahrtausenden hat sich Yoga immer wieder erneuert, erweitert, verfeinert und sich auch immer wieder den Bedürfnissen der jeweiligen Generation mit all ihren Anliegen und Möglichkeiten angepasst. Hierbei spielen die jeweils neusten medizinischen Erkenntnisse eine ebenso große Rolle wie die kulturellen und spirituellen Strömungen und die sozialen Bedürfnisse der jeweiligen Zeit. In unserer heute sehr kopflastigen Zeit neigt man dazu, über den Körper und dessen Bedürfnisse hinwegzugehen. Zugleich entwickelt sich ein Bewusstsein, den Körper und seine Bedürfnisse nicht weiter so zu ignorieren, um Krankheiten zu vermeiden. So interessieren sich immer mehr Menschen für Yoga, da es sich hier um einen Übungsweg handelt, der Körper, Atem, Geist und Seele in Einklang und Harmonie bringen möchte.

Auch der „Yoga der Gegenwärtigkeit“ hat dieses Ziel vor Augen. Hier soll sich der Praktizierende ganz in den gegenwärtigen Moment hineinbegeben. Denn erst dann werden wir uns wieder unseres Körpers bewusst, lernen, bewusster zu atmen, den Geist zu lenken und uns zu entspannen. So beginnen wir zu spüren und können sehen, wie sehr wir selbst für unser eigenes physisches, psychisches und spirituelles Wohlergehen verantwortlich sind.

Hatha -Yoga: Harmonie zwischen Anspannung und Entspannung

Viele Menschen beginnen mit dem Yoga, weil sie ein Ungleichgewicht empfinden. Der Körper sendet Alarmsignale: Verspannungen im Hals-, Nacken- oder Schulterbereich oder Stressreaktionen wie Magen- oder Darmbeschwerden, Migräne, Kopfschmerzen oder auch Unruhe. Diese Anzeichen weisen darauf hin, dass wir über unsere Grenzen gegangen sind. Höchste Zeit zu entspannen oder Entspannung wieder zu lernen.

Wie notwendig der Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung ist, lässt sich mit folgendem Beispiel veranschaulichen: Wenn man die Faust für ein bis zwei Minuten ballt und dann wieder loslässt, spürt man zunächst bei der Anspannung einen leichten Schmerz in der Hand und kann dadurch erkennen, wie schnell der Körper in ein Ungleichgewicht kommt und das Auflösen der Faust zur Entspannung führt. Dieses Beispiel zeigt, wie notwendig es ist, Körper, Atem und Geist immer wieder auszubalancieren. Tun wir dies nicht, wird der Körper sich irgendwann mit einem Symptom oder schlimmer noch mit einer Krankheit Gehör verschaffen und sich die versäumte Entspannungsphase so zurückholen. Auf der psychischen Ebene kann sich eine konstante Anspannung in einem Gefühl der Erschöpfung oder des Ausgebranntseins („Burn-Out-Syndrom“) zeigen.

Die indischen Yogis wussten bereits vor Tausenden von Jahren, wie wichtig dieser Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung ist, als sie den Begriff Hatha-Yoga wählten. „Ha“ bedeutet soviel wie Sonne, Hitze, Licht, Energie, Kreativität, Aktivität, Leidenschaft oder das Positive. „Tha“ heißt übersetzt Mond, Kühle, Reflexion, Empfänglichkeit und das Negative. Im Yoga der Gegenwärtigkeit geht es darum, diese Polaritäten im Menschen zu versöhnen, um ein Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele zu erreichen und zu stabilisieren und unser oft einseitiges Denken auszugleichen. Doch die Versöhnung der Polaritäten geschieht nur Schritt für Schritt, was heißt, dass es Zeit bedarf, genauso wie ein Baum Jahre braucht, um zu wachsen. ´

Praktizieren wir die Asanas und Atemübungen ausgewogen und regelmäßig, so dass es uns mehr und mehr gelingt, im gegenwärtigen Moment zu sein statt gedanklich immer wieder zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und herzupendeln, können die Übungen uns dabei unterstützen, zu einer körperlichen, geistigen und seelischen Balance zu gelangen. Es geht um die zunächst ganz kleinen Veränderungen, die fast unmerklich sind und sich erst im Laufe der Zeit bemerkbar machen und sich dann auch in unserem Verhalten im Alltag äußern.

So wird sich im Verlauf der Praxis das körperliche Empfinden von einem Gefühl der Anspannung und Steifheit ganz allmählich zu einem Gefühl von mehr Entspannung, Geschmeidigkeit und allgemeinem Wohlbefinden entwickeln. Eines Tages kann man zum Beispiel spüren, dass man ganz geschmeidig in eine Übung hineingleitet und dort über einen längeren Zeitraum verweilen kann, ohne dass die Übung – wie vielleicht anfangs – große Schwierigkeiten bereitet. Oder später kann man feststellen, dass man während der Arbeit oder vor dem Schlafengehen ganz automatisch innehält, tief ein- und ausatmet und sich ganz im gegenwärtigen Moment befindet, das heißt, nur das tut, was gerade in diesem Moment zu tun ist.

ÜBUNGEN
Atemübung: Lotusblüte

Yoga der Gegenwärtigkeit bedeutet, nichts festzuhalten, damit Neues entstehen kann

Anleitung:

1. Gehen Sie in einen Sitz Ihrer Wahl.

2. Führen Sie die Handflächen vor der Brustmitte zusammen.
3. Heben Sie einatmend die Arme über den Kopf. Die Handflächen bleiben zusammen. Bewegen Sie die Arme ausatmend mit zueinander gerichteten Handflächen in einem großen Bogen wieder zur Brustmitte. Führen Sie hier die Handflächen wieder vor der Brustmitte zusammen.
4. Führen Sie diese Bewegung mehrmals mit geschlossenen Augen aus. Halten Sie dabei am Ende der Übung mit vor der Brust aneinander geführten Handflächen inne. Lösen Sie erst dann die Stellung auf.

Heilwirkungen:

Kräftigt den Rücken. Dehnt den Brustkorb. Vertieft die Atmung. Beruhigt den Geist. Entspannt die Psyche.

Symbolik des Lotus:

Ewige Rekreation, Schöpferkraft und das sich selbst Schaffende.

Tipp für den Alltag:

Wenn äußere Umstände Sie aus Ihrer Mitte bringen und Sie das Gefühl haben, dass Ihre Kreativität nicht in dem Maße fließt, wie Sie es sich wünschen, machen Sie diese Übung. Stellen Sie sich dabei Ihr inneres Potential vor, wie es sich immer mehr entfaltet.

Konzentrationsübung / Meditation: Augenübung

Yoga der Gegenwart bedeutet, den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Anleitung:

1. Nehmen Sie Ihre Brille ab oder entfernen Sie Ihre Kontaktlinsen.
2. Strecken Sie den rechten Arm in Augenhöhe aus. Bilden Sie mit der Hand eine Faust und richten Sie den Daumen nach oben.
3. Fixieren Sie mit beiden Augen den Daumen. Führen Sie die Hand langsam zur Nase, während Sie weiter mit beiden Augen den Daumen fixieren.
4. Berühren Sie mit dem Daumen die Nasenspitze, bewegen Sie ihn den Oberkörper entlang nach unten und in einem Bogen wieder in die Ausgangsstellung des ausgestreckten Arms in Augenhöhe. Während der ganzen Bewegung folgen die Augen dem Daumen. Wiederholen Sie die Übung mehrmals.

Ausgleichshaltung:

Schließen Sie die Augen. Massieren Sie Ihre Schläfen mit Zeige- und Mittelfinger, indem Sie mit den Fingern kleine Kreisbewegungen in beide Richtungen ausführen.

Heilwirkungen:

Stärkt die Augenmuskulatur und den Sehnerv. Fördert die Konzentration.

Symbolik des Auges:

Allwissenheit und Wachsamkeit.

Tipp für den Alltag:

Wenn Sie am PC arbeiten, sollten Sie die Übung mehrmals über den Tag verteilt praktizieren.

Entspannungsübung:
Demütige Haltung

Yoga der Gegenwärtigkeit bedeutet, allem und jedem mit Demut zu begegnen.

Anleitung:

1. Begeben Sie sich in den Fersensitz.
2. Führen Sie die Stirn zum Boden. Legen Sie die Arme vor den Körper. Die Handflächen liegen auf dem Boden.
3. Lenken Sie den Atem in den Becken- und Bauch - raum.

4. Atmen Sie mehrmals in dieser Haltung. Lassen Sie sich dabei bei jedem Ausatem tiefer auf die Unterlage sinken.

Heilwirkungen:

Dehnt die Muskulatur des Rückens und des Nackens. Entspannt den ganzen Körper. Entspannt den Geist. Beruhigt die Psyche.

Symbolik der Demut:

Respekt und Achtung.

Tipp für den Alltag:

Intensivieren können Sie die Übung, indem Sie sich vorstellen, dass die Erde Sie trägt und körperliche und psychische Spannungen in die Erde abfließen.

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