Acht Tore
Wie wir im Alter weise sein können
Mein Interesse am Thema Altwerden entspricht meinen Lebensjahren (70). Weisheit im Alter ist kein Naturgesetz, sondern eher eine Option und oft ein etwas mühsamer, steiler Lebenspfad. Und so bleibt wohl auch für mich bis zum Lebensende die Frage nach der „spirituellen Essenz meines Lebens“ offen.
Wohlgemerkt: Die Suche nach Weisheit hat nichts mit Lebensjahren zu tun. Wer ein bisschen die spirituelle „Szene“ kennt – etwa buddhistische, taoistische oder schamanische Kreise –, der staunt wie ich, wie jung da seit ein paar Jahrzehnten das Publikum ist: So viele von uralten Weisheitslehren im Wortsinn be-geisterte junge Menschen! In diesen Seminar-Herden sind unter den überwiegend weiblichen, jungen oder mittelalterlichen Suchenden alte Männer eher schon rare „schwarze Böcke“ (hingegen seltene Exemplare unter jenen, die „einfach nur älter werden“).
Seltsam genug: Gerade Männer aus dieser Alterskohorte verteidigen oft ganz krass die schwer erkämpften Positionen, mit denen sie sich ein Berufsleben lang identifizierten und an denen sie mitunter verbissen kleben. Verwirrt und voller Angst vor einem Weiterleben ohne den gesellschaftlich und beruflich etablierten Rang und meist arm an privaten Freundschafts- und Liebes-Netzwerken. Sie erleben sich jetzt nutzlos und ausgegrenzt, reduziert auf die Rolle des wohlhabenden Konsumenten, etwa von Touristikangeboten und Massenmedien, von Nahrungsergänzungsmitteln, edlen Genussmitteln, teuren Klamotten, Autos und noblen Altersruhesitzen. Übrig bleibt ihnen als Eigenwahrnehmung oft nur der trostloser Abstieg, die „Wagenburg“ und das Warten auf ein barmherziges Ende, hoffentlich wenig gebrechlich oder gar dement. Welch deprimierende Altersperspektiven!
„Alter bringt nicht immer Weisheit mit sich. Manchmal kommt es auch allein.“ (Mark Twain)
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