Atheismus, Kirchenglaube und Gott
Nicht-Glauben als Weg zu echter Spiritualität
Gott und das „Nichts“
Ist es wirklich die Angst vor dem „Nichts“, die uns zu Gott hin bewegt und gleichzeitig von ihm abhält? Ist Gott das Ziel, das nur erreicht werden kann, wenn wir vorher in der Dualität gelebt und uns der Trennung ausgesetzt haben? Steht das trennende Gefühl im Widerspruch zu Gott oder ist es die entscheidende Voraussetzung dafür, sich selbst überwinden zu können? Ist die Selbstüberwindung der Schlüssel? Und welche Türe schließt sie auf? Nietzsche glaubte, es sei die Tür zum „Nichts“, zum Abgrund der Nichtexistenz.
Aber „Nichts“, was soll das sein? Ganz offensichtlich nichts, worüber sich reden oder spekulieren lässt. Kennzeichnet das „Nichts“ nicht, dass sich eben nichts darüber sagen lässt? Also, wozu dann überhaupt darüber sprechen? Und wie ist das mit Gott? Auch über ihn lässt sich nichts Wesentliches sagen. Und genau das ist es, was die Atheisten den Kirchen vorwerfen:
„Ihr beharrt darauf, dass wir euch eure Mutmaßungen als die unverrückbare Wahrheit abnehmen sollen. Das tun wir schon lange nicht mehr. Wir sind aufgeklärt! Wenn ihr noch in der Position wäret, über uns zu richten, so würdet ihr uns richten und damit eurem eigenen Gottesbild widersprechen. Nicht nur das Blut an euren Händen widerspricht allem, was ihr seit jeher gepredigt habt.“
Da ist was dran. Die Selbstherrlichkeit der Kirchen hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich der Atheismus durchsetzen und etablieren konnte. Aber ist Gott deshalb tot?
Als ich den Leuten in Nordirland erzählte, dass ich Atheist sei, stand eine Frau im Publikum auf und fragte: „Nun gut, aber ist es der katholische oder der protestantische Gott, an den Sie nicht glauben?“ (Quentin Crisp, Exzentriker und Autor, 1908-1999)
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