Bilder zum Artikel

Ein von den Maurern gestiftetes Fenster der Kathedrale von Chartr

Denar aus der Münzstätte Köln zur Zeit Ottos des Großen (um 950)

Brakteat Bischof Ulrichs von Halberstadt un Albrechts des Bären

Das Westportal der Kathedrale von ChartresNicht sichtbarer Wasserspeier in Dachhöhe der Kathedrale von Chartres

Saint-Denis, Westportal

Westportal Chartres: Ausschnitt der 7 freien Künste, links: Dialektik mit Aristoteles

Buchtipps

Dr. Sonja Ulrike Klug
Kathedrale des Kosmos. Die heilige Geometrie von Chartres.
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Das Geldsystem der Gotik

Das Geldsystem der Gotik

Die Kathedralen und das Geld – Wie die kulturelle Blüte des 12. und 13. Jahrhunderts finanziert wurde

Mit der Gotik erlebte Europa im 12. und 13. Jahrhundert die erste internationale Stilepoche, deren herausragendste Schöpfung die Vielzahl von beeindruckenden Kathedralen ist, die wir noch heute bewundern. Nie zuvor und kaum je wieder danach wurde in Europa im Bereich der spirituellen Kunst Größeres erschaffen als in der Epoche der Gotik. Erstaunlicherweise bestand die ökonomische Basis für diese einzigartige kulturelle Blüte in einem feudalen System der permanenten Geldentwertung.

„Wo das geistige Brot der Menschheit gebacken wurde“

Die Gotik entwickelte sich in einem Umkreis von 150 Kilometern um Paris, ausgehend von der Ile-de-France. Hier entstanden vom 11. bis 13. Jahrhundert etwa 150 Kirchenbauten, darunter etwa 20 herausragende große Notre-Dame-Kathedralen. Dieses Gebiet war aber nicht nur architektonisches, sondern auch geistiges Zentrum Europas. Hier wurde die Scholastik geboren, die in den berühmten Kathedralschulen ihren Ausdruck fand. In vielen Städten, in denen es gotische Kathedralen gab – z.B. Laon, Chartres, Reims, Paris – waren auch Kathedralschulen, die Vorläufer der späteren Universitäten, ansässig. Aus diesen Schulen gingen bedeutende Gelehrte und Autoren des Mittelalters hervor. Das in den Kathedralschulen in Form der sieben freien Künste als Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) gelehrte Wissen gründete sich vor allem auf Platon und Pythagoras. Das Wissen hatte einen deutlichen Bezug zur Spiritualität: Es sollte dem Menschen bzw. seiner Seele den (Rück-)Weg zu Gott ebnen. Abbildungen der sieben freien Künste in Form von Skulpturen finden sich an vielen Kirchenportalen. Seinen sichtbaren Ausdruck fand das geometrische und musikalische Wissen in der Architektur der Gotik. Die Geometrie war der Schlüssel, um den Baugedanken mit dem der Schöpfung zugrunde liegenden Weltgedanken zu verbinden. Die Kathedralen spiegelten die göttliche Harmonie der höheren Sphären wider und repräsentierten das „himmlische Jerusalem“ auf Erden. Sie waren perfekt bis in die nicht sichtbaren Details hinein ästhetisch gestaltet. Einzelne Vorläufer gotischer Merkmale, z.B. das Kreuzrippengewölbe, Spitzbögen und Strebepfeiler, tauchten bereits vor dem 11. Jahrhundert an verschiedenen französischen Kirchen auf, bis mit dem Bau der Kathedrale von St. Denis in der Nähe von Paris zum ersten Mal eine rein gotische Kathedrale entstand. Der „Prototyp“ von St. Denis – der Chorneubau einer Klosterkirche, die über Jahrhunderte als königliche Grablege diente – wurde von Abt Suger ab 1137 erbaut. Suger war als königlicher Kanzler eine Art „graue Eminenz“ des damaligen französischen Königs Ludwig VI. des Dicken. Die Entstehung und Verbreitung der gotischen Kathedralen ab 1144, beginnend mit St. Denis, fällt zeitlich zusammen mit dem Aufstieg der französischen Krone, die sich mehr und mehr ...

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