Fragen in die Stille
Doris Iding über die spirituelle Lehrerin Toni Packer
Einsicht jenseits des Verstandes
Für die 1927 in Deutschland geborene und seit 50 Jahren in den USA lebende Toni Packer stellt eine solche Herangehensweise an das Leben die Basis ihrer Arbeit dar, das so genannte meditative Fragen. Es steigt aus der Tiefe des Nicht-Wissens auf und bringt uns mit einer tiefen Weisheit in Kontakt, die den Kopf von unzähligen Ideen und Konstrukten befreit. Dabei offenbaren sich Antworten, die aus einer radikalen und gleichzeitig tiefen Wahrheit emporsteigen. Eine Frage, die mit dem Wissen oder Erraten einer Antwort anfängt, ist dagegen kaum spontan, nicht aus dem Staunen heraus entstanden.
Wie sehr man sich durch diese absolute Offenheit dem ungefärbten Wesentlichen zuwenden kann, ohne dass die Wahrheit dabei unter den Vorstellungen des kognitiven Wissens schal und abgedroschen schmeckt, wird spürbar, wenn man den Vorträgen von Toni Packer lauscht oder in ihren Büchern liest. Trotz der tiefen spirituellen Weisheit, von der ihre Bücher durchdrungen sind, wirkt Packer nicht wie eine Autorität, deren Worte man zum Wohle der eigenen spirituellen Entwicklung glauben soll. Für sie liegt der Schlüssel zu Einsicht und Verständnis nicht in Lehrinhalten, sondern vielmehr stellt sie Fragen und regt an, selbst Fragen zu stellen, um die Wahrheit herauszufinden. Dies geschieht im stillen Sitzen oder in Einzel- und Gruppengesprächen. Durch solch ein Stillwerden mit einer Frage und ein Insich- Hineinhorchen und -Hineinfühlen, ohne eine Antwort zu erwarten, gelingt es Packer einen Menschen in eine tiefe spirituelle Erfahrung zu führen. Dabei kann es geschehen, dass der Strom aus Gedanken und Bildern versiegt und nur das stille Gewahrsein bleibt und ein weiter, stiller Raum entsteht, ein Raum, in dem für alles Platz ist, was in diesem Moment geschieht.
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