Im Rosengarten meines Herzens
Tänze des universellen Friedens – Alles dreht sich um die Liebe zu Gott
Die Rose – geliebt von Dichtern in aller Welt – ist für die Sufis der höchste Ausdruck religiöser Erfahrung; die rote Rose ist gleichsam die Manifestation von Gottes Glorie. Sie scheint am vollkommensten die göttliche Schönheit darzustellen. Und welcher Vogel kann am vollkommensten die Musik der himmlischen Sphären auf Erden widerspiegeln – es ist die Nachtigall. Sie ist es, die in der persischen und türkischen Dichtung als Seelenvogel erscheint, als Symbol der sehnsüchtigen Seele, die für alle Zeiten gelobt, die Rose zu lieben.
Bei den Dichtern Irans im 11. und 12. Jahrhundert begegnen wir in Lobgesängen auf die Liebe immer wieder aufs Neue der Rose und der Nachtigall: „Seht gut hin; denn das Herz ist der Marktplatz Seiner Liebe; von dort stammt die Rose Adams auf dem Zweige der Liebe aus der Farbe der Manifestation Seiner Rose. Wenn die Nachtigall „Geist“ berauscht wird von dieser Rose, wird sie mit dem Ohr der Seele den Gesang des Vogels Alastu („Bin Ich nicht euer Herr?“) im Quellplatz der Urewigkeit vernehmen.“ Spätere Sufis erklärten ihre Liebe zur Rose mit folgenden Geschichten: Wenn der Prophet eine Rose sah, küsste er sie, legte sie auf seine Augen und sagte „Die rote Rose ist ein Teil von Gottes Glorie.“ Prof. Dr. Annemarie Schimmel, die große Islam- und Sufismuskennerin, weiß um eine andere bekannte Überlieferung, bei der die Rose aus dem Schweiß des Propheten geschaffen wurde, der während seiner Himmelsreise zu Boden fiel und deshalb zur kostbarsten Blume auf der Welt wurde. Weil Mohammed die Rose so sehr liebte, bezeichneten ihn auch viele Dichter als „Nachtigall des ewigen Gartens“ – denn er entschleiert uns etwas vom Geheimnis Gottes, der ewigen Rose.
Sinnbild für die Entfaltung der Seele
Hazrat Inayat Khan (1882-1927), einer der herausragendsten Musiker und Mystiker der Neuzeit und der erste, der den Sufismus in die westliche Welt brachte, bedient sich der Rose als Sinnbild für die Entfaltung unserer Seele und sagt in seinen Lehrreden: „Die Seele kann mit der Rose verglichen werden – so wie eine Rosenknospe erblüht, entfaltet sich die Seele. Damit die Rosenknospe erblühen kann, braucht sie fünf Bedingungen: fruchtbare Erde, helles Sonnenlicht, Wasser, Luft und Raum.
„Morgens ging ich in den Garten, eine Rose mir zu pflücken, heimlich und in Furcht, der Gärtner könnte mich dabei erblicken, doch es waren seine Worte köstlich über mein Erwarten: Nicht die Rose nur allein, ich schenke dir den ganzen Garten!“
- Mevlana Jellaludin Rumi
Die gleichen fünf Dinge braucht es auch zur Entfaltung der Seele. So wie der Rosenbusch fruchtbare Erde braucht, um gedeihen zu können, braucht das Kind vom Moment seiner Geburt an Erziehung nach einem spirituellen Ideal. Wird dieser wichtigste Teil der Erziehung einem Kind vorenthalten, nimmt man den Wurzeln der Rose die Erde...
Das Wasser, das die Rose nährt, ist die Liebe. Wenn die Liebe im Leben fehlt, können intellektuelles Wissen und die Sehnsucht nach Wahrheit noch so groß sein, der Mensch kann sich nicht entwickeln...
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