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Das Weiße Pferd in Oxfordshire, England

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Michael Lailach
Land Art. Kleine Reihe Kunst
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LANDSCHAFTSKUNST VON OBEN GESEHEN

LANDSCHAFTSKUNST VON OBEN GESEHEN

In Deutschland werden fast 100 Prozent der Landschaft vom Menschen gestaltet. Ein ganz kleiner Teil davon gilt als Kunst. Im dritten Teil dieser Serie geht es vor allem um Kunst, die man nur von oben gut sehen kann.

Wann wird die Umgestaltung der Natur durch den Menschen zu Kunst und wann dient sie anderen Zwecken? Die Ausbeutung der Rohstoffe verwandelt das Erscheinungsbild der Erde erheblich, ist aber wohl kaum Kunst – höchstens dann, wenn ein Fotograf in einer Ausstellung die Abholzung der Regenwälder oder die Ölpest auf der Meeresoberfläche in drastischen Bildern zeigt. Ein Merkmal von Kunst liegt darin, dass sie uns achtsamer, bewusster machen kann.

DIE ERDZEICHNUNG ALS BOTSCHAFT

Es gibt aus der frühen Menschheitsgeschichte einige bemerkenswerte Beispiele, wo sich Menschen in die Vogel- oder Götterperspektive versetzt und Bilder in die Landschaft „gezeichnet“ haben. Berühmt sind die etwa 3.000 Jahre alten Bilder vom Mann mit der Keule und dem Weißen Pferd in Südengland. Hier wurden die formgebenden Linien aus der dunklen Erde gekratzt, sodass darunter hellere Gesteinsschichten sichtbar wurden. Solche Erdzeichnungen werden wissenschaftlich als Geoglyphe bezeichnet. Sie sind auch auf anderen Kontinenten zu finden. Bei den Scharrbildern der Nazca-Indianer in Peru, die kilometerlange gerade Linien und Tierbilder zeigen, vermutete Erich von Däniken die Darstellung eines Landeplatzes für Außerirdische. Diese Interpretation könnte ein Fünkchen Wahrheit
enthalten. Vielleicht waren diese Bilder für die Augen der Götter oder auch der Seelen Verstorbener bestimmt.

In einem sehr berührenden Film auf YouTube (www.youtube.com/watch?v=armP8TfS9Is) sprechen Kinder einer japanischen Schule über ihre Erfahrung mit dem Tod. In einer Zeremonie wird der Brief eines zehnjährigen Schülers an seinen verstorbenen Großvater ganz groß auf dem Boden des Schulhofes eingraviert, so dass dessen Seele den Brief lesen kann. Diese Art der Übermittlung war der Wunsch des Schülers. Im kindlichen Verständnis und in unserem Unterbewussten ist dies anscheinend eine akzeptierte Form der Kommunikation mit Seelen und Göttern. Und viele Menschen fliegen in Träumen oder Rückführungen in vergangene Leben über Landschaften und Städte. Das ist wohl ein kollektives Erfahrungsgut, das von der UNESCO noch nicht erfasst wurde.

Mein Großvater liest meinen Brief von oben, aus dem Himmel. (8-jähriger Junge aus Japan)

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