Neurologie des Mitgefühls
Zum Kongress „Kunst des Lebens“ mit dem Dalai Lama
Mitfühlen können
Das ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende menschliche Gemeinschaft. Wäre jeder ausschließlich auf sich bedacht und könnte überhaupt nicht nachvollziehen, was andere empfinden, dann wäre zwischenmenschliche Beziehung unmöglich. Sprache und Kommunikation bauen auf einer tieferen Ebene des Verstehens auf.
Die Religionen und Mythen gehen von einer ursprünglichen Einheit der Menschen und aller Wesen aus. Mystiker wie Meister Eckhart oder Rumi haben die Einheit erlebt und beschrieben. Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung skizzierte ein kollektives Bewusstsein, das uns alle verbindet und zu dem jeder Zugang hat, sei es in Träumen oder über archetypische Symbole. Das Kleinkind versteht zunächst nicht die gesprochenen Worte, sondern das Lachen oder die Angst im Gesicht der Mutter, die entspannte oder angespannte Stimme. Hier geschieht eine Resonanz, ein Mitschwingen mit den Gefühlen des Anderen.
Eine so wichtige Eigenschaft wie die Empathie sollte doch auch im Gehirn nachzuweisen sein! Und tatsächlich: Mit der Entdeckung der so genannten Spiegelneuronen, die im gesamten für Verhalten und Handlung zuständigen Gehirnbereich vorkommen, war ein entscheidender Schritt getan. Immer wieder hatte sich – zunächst im Test mit Affen, dann auch mit Menschen – gezeigt, dass bestimmte Nervenzellen nicht nur aktiv wurden, wenn die „Testperson“ handelte, sondern auch, wenn sie die entsprechende Handlung bei anderen beobachtete. Bei Affen betraf dies zum Beispiel das Greifen nach einer Nuss.
Öffne der Veränderung deine Arme, aber verliere dabei deine Werte nicht aus den Augen... Der XIV. Dalai Lama
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