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Christian Nürnberger
Das Christentum: Was man wirklich wissen muss
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Serie: Die Weltreligionen Teil 2

Serie: Die Weltreligionen Teil 2

Das Christentum

VISIONEN stellt in fünf Teilen die Weltreligionen vor. Judentum, Christentum und Islam, Hinduismus und Buddhismus. Was sind die zentralen Inhalte, was die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten? Ein Beitrag zum interreligiösen Dialog, zum besseren gegenseitigen Verstehen und hoffentlich auch zu mehr Frieden auf der Erde.

Das Christentum ist mit 2,1 Milliarden Anhängern die größte und am meisten verbreitete Religion. Im Vergleich: Zum Islam bekennen sich 1,3 Milliarden Menschen, zum Hinduismus 800 Millionen. Der Religionsstifter Jesus von Nazareth, auf Griechisch „Christus“ (der Gesalbte) genannt, gilt als Leib der Kirche, und jeder einzelne Christ als ein Teil dieses „Leibes“. In Deutschland sind das immerhin fast 70% der Bevölkerung, in Österreich und der Schweiz sogar fast 90%.

1. Jesus
Historisch

Jesus ist zweifellos die zentrale Gestalt im Christentum. Er gilt als der „einzige Sohn Gottes“, als Heiland und Erlöser, der für uns am Kreuz gestorben ist. (Bei Google sind 264 Millionen Seiten zum Stichwort Jesus angegeben.) Wer war Jesus? Die damaligen Geschichtsschreiber geben nur spärliche Auskunft. Jedenfalls: Jesus hat wirklich gelebt, wahrscheinlich um 4 v. Chr. in Nazareth (nicht in Bethlehem) geboren – unsere Zeitrechnung ist also historisch nicht korrekt – und um 30 n. Chr. (oder etwas später) in Jerusalem am Kreuz gestorben.

Die bekannten vier Evangelien sind nicht von den Jüngern Jesu geschrieben, sondern frühestens ab 70 n. Chr. entstanden, allerdings z. T. wohl basierend auf mündlichen Überlieferungen, die auf Augenzeugen zurückreichen könnten. Die Kreuzigung und leibhaftige Auferstehung waren von Anbeginn Kern der Botschaft.

Bei Lukas wird ausnahmsweise eine verlässliche Zeitangabe gemacht. Johannes der Täufer wurde im 15. Regierungsjahr von Kaiser Tiberius gefangen genommen und bald darauf hingerichtet. Das war um 28 n. Chr., und seitdem soll Jesus, mit etwa 30 Jahren, als Wanderprediger durch Galiläa gezogen sein. Er sprach Aramäisch, kannte aber die Sprache der Heiligen Schrift, Hebräisch, und etwas Griechisch. Laut Neuem Testament (NT) hatte er vier Brüder und Schwestern, er selbst sagte sich jedoch von allen Familienbanden los.

„Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Markus 3,33-35; Einheitsübersetzung)

Bis heute werden Reliquien wie Holzsplitter vom Kreuz oder auch das berühmte Grabtuch von Turin mit dem angeblichen Gesicht Jesu aufbewahrt und verehrt. Vielleicht eine Unterstützung des Glaubens, dass Jesus wirklich gelebt hat. Etliche Autoren schreiben, Jesus sei am Kreuz nur scheintot gewesen, wieder belebt worden, nach Nordindien ausgewandert und dort in Kaschmir im hohen Alter gestorben. Auf einem alten jüdischen Friedhof sei sein Grabstein zu finden. Andere sehen ein großes Geheimnis darin, dass Jesus mit Maria Magdalena Kinder gezeugt habe („Sakrileg“). Möglich ist das, jedenfalls eher wahrscheinlich als die offizielle Version der Kirche, Jesus sei leibhaftig auferstanden.

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