Sich selbst furchtlos begegnen
Barbara Märtens erläutert die Shambhala-Tradition
Die Shambhala-Tradition beruft sich auf eine Unterweisung, die Buddha dem 1. König des legendären Reichs Shambhala unter vier Augen gegeben haben soll. Können Sie kurz beschreiben, was das Besondere dieser Lehre – etwa im Unterschied zu den anderen Schulen des Tibetischen Buddhismus – ist?
In den Shambhala-Belehrungen wird von „weltlicher Erleuchtung“ gesprochen, von einem Pfad, der es uns ermöglicht, unser weltliches Leben – also unseren Alltag mit Arbeit, Familie, Beziehungen – für unsere spirituelle Suche zu nutzen. Wir alle tragen Weisheit, Wachheit und Gesundheit in uns, die es uns ermöglichen, den Problemen der heutigen Zeit zu begegnen, und die uns den Weg zu einem menschenwürdigen Leben miteinander weisen.
Die Shambhala-Tradition gründet sich zwar auf die Weisheit und Meditationspraxis des Buddhismus, sie geht jedoch davon aus, dass diese grundlegende menschliche Weisheit zu keiner speziellen Kultur oder Religion gehört. Als Menschen sind wir grundlegend wach, wir können die Welt, in der wir leben, verstehen und die Erde in Frieden und Harmonie miteinander bewohnen. Wir können eine natürliche grundlegende Vollständigkeit oder Gutheit in unserem Sein entdecken und uns auf dieser Grundlage um uns selbst und andere kümmern. Diese Entdeckung, um die es in der angewandten Shambhala- Lehre geht, ist eine zutiefst menschliche und nicht in erster Linie religiöse Erfahrung. Dawa Sangpo, der erste König von Shambhala, wollte seinen Untertanen den Weg zu dieser Entdeckung ermöglichen, ohne dass sie sich aus Politik, Kunst, Handwerk, Wissenschaften, Familienalltag etc. in Klöster zurückziehen mussten. Daher bat er den Buddha um einen Pfad zum Erwachen, der auf der Grundlage des Alltags möglich ist.
Die Shambhala-Tradition geht davon aus, dass die grundlegende menschliche Weisheit zu keiner speziellen Kultur oder Religion gehört.
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