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Tanz der Generationen

Tanz der Generationen

Wie alt und jung zusammen leben können

Jung und alt leben zusammen. Das war bis vor kurzem weltweit selbstverständlich. Doch vor allem in den westlichen Ländern kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Bruch: Die Jungen wollten sich nicht länger von der Generation der Eltern und Großeltern bevormunden lassen und ihren eigenen Weg gehen. In jüngster Zeit scheinen die Generationen wieder für eine neue Art des Zusammenseins offen zu sein.

Die Tradition

In fast allen Kulturen der Erde ist die Familie der Kern, auf dem die Gesellschaft aufbaut. Die Familie besteht dabei nicht nur aus einem Ehepaar mit einem Kind, sondern dazu gehören Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten... Eine Großfamilie mit manchmal über hundert Angehörigen. Sie war und ist in etlichen Ländern auch heute noch der einzige Garant für Schutz und Lebensunterhalt. So wie die Eltern für die Kinder sorgten, werden die Kinder später für die Eltern sorgen. Die Alten leben selbstverständlich mit den Jüngeren und Jüngsten unter einem Dach. Und sie werden dabei nicht widerwillig mit dem Nötigsten versorgt, sondern genießen Achtung und Respekt. In solchen Großfamilien, wie sie in asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Familien üblich sind, aber auch noch in einigen ländlichen Gegenden in Deutschland vorkommen, herrscht eine bestimmte Tradition und Übereinkunft: Die Alten stellen eine Autorität dar.

Das hat meist einen ganz praktischen Hintergrund. Die Eltern, Großeltern und vorangegangene Generationen haben das Geschäft oder die Firma gegründet, das Haus gebaut, das Handwerk vermittelt, den sozialen Status erarbeitet und das Erworbene jeweils weitervererbt. Das hat mit Macht und Sicherheit zu tun. Wer sich dem verweigert, muss sich allein durchschlagen und neu anfangen.

Sollen wir glauben, dass in traditionellen Großfamilien alles harmonisch läuft? Nein, das ist nicht der Punkt. Hier wie in jeder Beziehung oder Gemeinschaft gibt es Auseinandersetzungen. Das ist gesund und natürlich. Nur: wenn die Machtstruktur dominiert, dann kann es zu einer sehr ungesunden Erstarrung kommen. Ein Beispiel, das in Deutschland immer wieder auch in den Nachrichtenmedien oder in einem Krimi auftaucht: Die Tochter eines kurdischen Familienvaters liebt einen Deutschen, trifft sich mit ihm und wird daraufhin von der Familie unter Druck gesetzt – bis hin zum Mord, um die „Ehre“ wiederherzustellen. Der Familienzusammenhalt scheint hier eher von Angst als von Liebe und Verständnis bestimmt. Oder auch: Ein bayrischer Bauernsohn will eine Frau aus der Stadt heiraten und den Hof nicht übernehmen. Auch hier kann es zu Mord und Totschlag kommen, nicht nur in einem „Tatort-Krimi“, sondern real. Der Konflikt zwischen den Vorstellungen der Alten und der Jungen hat Kraft, zumal wenn die Alten alles besitzen und sich darauf berufen, die Jungen aber frei sein und ihr ganz eigenes Potential entdecken und leben wollen.

Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, dass die Welt mit ihr erst anfange. Aber das Alter glaubt noch öfter, dass mit ihm die Welt aufhöre. Friedrich Hebbel, deutscher Dichter [1813-1863]

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