Was ist Barmherzigkeit?
Serie: Werte und Tugenden (Teil 8)
Was die Religionen sagen
Juden, Christen und Muslims beten ein- und denselben Gott an, und dessen besonderes, in den heiligen Schriften häufig hervorgehobenes Merkmal ist Barmherzigkeit. „Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“, heißt es im 2. Buch Mose (34,6). „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt…, das ewige Leben hat“, schreibt der Apostel Johannes im Neuen Testament (Johannes 3, 16). Und im Koran lautet der meistgenannte Name Allahs „Allerbarmer“.
Gottes Erbarmen soll zugleich Leitbild für uns Menschen sein. Im Buch Tobit (Altes Testament, apokryph) steht: „Es ist gut, zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu sein.“ Jesus verheißt in seiner Bergpredigt: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Matthäus 5,7). Die vierte der fünf Säulen des Islam ist das Geben von Almosen, denn: „Diejenigen, die nicht barmherzig sind, werden keine Barmherzigkeit erlangen.“ Hier erscheint Barmherzigkeit – wie auch immer wieder in den anderen beiden monotheistischen Religionen – eher als Pflicht, weniger als spontanes Handeln aus dem Herzen.
Mitgefühl heißt, dass der Geist von einem Geschmack erfüllt ist: Der liebenden Güte allen Wesen gegenüber. Nagarjuna (2. Jh. n. Chr.)
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