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Victor Chu
Von der schwierigen Kunst, treu zu sein: Warum wir betrügen, was wir lieben
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Was ist Treue?

Was ist Treue?

Serie: Werte und Tugenden (Teil 3)

Sensationslüstern wird die Untreue von Prominenten in den Massenmedien verfolgt. Treue gegenüber dem eigenen Partner oder dem Dienstherrn gilt dagegen als weltfremd. Christian Salvesen klärt Verwirrungen und plädiert für ein neues Verständnis von Treue.

Eine fragwürdige Tugend

Treue scheint als Tugend veraltet. Die Zeit treu ergebener Untertanen ist vorbei. Freundschaft und Treue? Doch wohl eher ein romantisches Ideal. Untreue – ja das ist immer aktuell. In allen möglichen Klatschspalten bezichtigen sich Paare, denen das öffentliche Interesse gilt, immer wieder der gegenseitigen Untreue. „Er oder sie hatte gerade wieder eine Affäre mit...“

Treue gilt nach wie vor als ein Garant für eine gute Ehe, aber auch für andere Beziehungen, die eine Gesellschaft tragen. Stehen die Mitarbeiter eines Unternehmens zu ihrem Boss und der Firmenpolitik? Inwieweit kann sich ein Politiker auf seine Wähler verlassen? Inwieweit ein Medienstar auf seine Fans?

Veraltet ist Treue also eigentlich nicht. Sie ist überall weiterhin erwünscht, allerdings nicht mehr so radikal gefordert wie früher. Unzählige Menschen wurden in den vergangenen Jahrhunderten hingerichtet, weil sie ihrem Herrscher angeblich die Treue, d.h. den Gehorsam verweigerten. In manchen Fällen betraf das auch die eheliche Treue, wie bei Heinrich VIII., der seine zweite Frau Anna Boleyn wegen ihrer Affären köpfen ließ. Noch kurz vor ihrem Tod bestritt sie, die Vergehen, derer sie angeklagt war, begangen zu haben, und schwor, dem König immer treu ergeben gewesen zu sein. Die Historiker geben ihr Recht.

„Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft“ (Marie, Freifrau von Ebner-Eschenbach)

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