„Wir haben die Sprache der Tiere verlernt“
Sie benutzen den Begriff Medialog für Ihre Arbeit. Können Sie beschreiben, was Sie damit meinen und wie dieser Medialog abläuft?
Für mich trifft der Begriff meine Arbeit mehr als das Wort Tierkommunikation. Denn ich spreche nicht nur mit Tieren, sondern kommuniziere mit allem was existiert, sprich: mit der Natur. Diese Dialoge gehen über die Grundbedürfnisse hinaus. Wie bei einem Gespräch mit einem Menschen hat die Fragestellung sehr viel mit den Ergebnissen zu tun. Frage ich Sie nur danach, welches Auto Sie fahren, werden Sie mir kaum Ihre Lebensgeschichte erzählen. Wenn ich ein Tier nach seiner Lieblingsdecke frage, bekomme ich auch nur darauf eine Antwort. Frage ich ein Tier aber nach tieferen Zusammenhängen – nicht nur in der Familie, sondern weit darüber hinaus – bekomme ich entsprechende Informationen. Teilweise sind das Informationen über ein kollektives Wissen, die gesamte Art oder die Natur betreffend. Deshalb ist die Kommunikation mit dem Tier nur ein Aspekt meiner Arbeit. Deshalb nenne ich es Medialog, weil es um mediale Dialoge geht.
Eine Tierkommunikation kann allerdings weder einen Tierarzt noch eine Therapie und erst recht keine adäquate Erziehung und artgerechte Auslastung ersetzen! Auch wenn Tiere in der Lage sind, ihre Beschwerden oder Probleme zu vermitteln, bedeutet das nicht, dass man den Tierarzt umgeht oder selbst diagnostiziert und therapiert.
Wie kann ich mir den Dialog vorstellen?
In erster Linie in Bildern, weil es komplexer ist. Wenn ich Ihnen erkläre, wie ich eingerichtet bin, brauche ich eine längere Zeit, um Ihnen jedes Buch, das im Regal steht, zu schildern. Wenn ich Ihnen hingegen ein Foto zeige, haben Sie mit einem Blick erfasst, wie das aussieht. Sie selektieren natürlich, das mache ich auch. Weil Sie bestimmte Dinge wahrnehmen, andere wieder nicht. Tiere senden häufig in Bildern, nur wenig in ganzen Sätzen, aber auch in Begriffen, die sie mittels Telepathie übermitteln.
Wie wissen Sie, dass Ihnen die Phantasie keinen Streich spielt?
Das muss wirklich trainiert werden. Wir haben die Anlagen dazu alle in uns. Aber es ist eine Sprache, die wir verlernt haben. Genauso wie Sie nicht als Simultanübersetzer auf die Welt kommen, sondern sich die neue Sprache Vokabel für Vokabel erarbeiten müssen, so müssen Sie auch die Kommunikation mit Tieren trainieren.
Als erstes übe ich mit den Seminar- und Workshop-Teilnehmern das Öffnen und Schließen der (Sende-)Kanäle. Das heißt, wir wählen gemeinsam eine Nummer, führen ein Telefonat und legen wieder auf. Wichtig ist es, nicht das Auflegen zu vergessen, sonst haben Sie die Stimme des Tieres den ganzen Tag um sich herum. Natürlich weiß ich zu unterscheiden, wo fängt meine Phantasie an und wo beginnt die Mitteilung des jeweiligen Tieres.
Tiere senden häufig in Bildern, nur wenig in ganzen Sätzen, aber auch in Begriffen, die sie mittels Telepathie übermitteln.
Wie gehen Sie mit Botschaften um, die nicht leicht zu verkraften sind?
Ich habe viel mit Tieren zu tun, die traumatische Erlebnisse hatten, vor allem Tiere, die aus dem Tierschutz kommen, viele davon schwer misshandelt und wieder andere, von denen man nicht weiß, wo sie herkommen. Wenn die mir ihre Geschichten in Bildern übermitteln, dann ist es nicht selten so, dass ich für den Rest des Tages gelähmt bin. Ich kann nicht weiterarbeiten. Es gibt schlimme Geschichten, die ich nur sehr vorsichtig dem Halter weitergebe, und nur in dem Rahmen, den er meiner Meinung nach verkraften kann. Es gibt furchtbare Misshandlungen, die wir uns kaum vorstellen können und von denen man kaum glauben will, dass Menschen zu so etwas fähig sind. Das ist schmerzhaft und am Ende einer solchen Kommunikation bleiben für mich nur noch Demut und Respekt vor dem, was die Tiere ertragen und wie sie uns trotzdem immer wieder vertrauen und immer wieder eine neue Chance geben.
Gibt es Tiere, die sich einer Kommunikation verweigern?
Das habe ich noch nie gehabt. Ich respektiere allerdings den Augenblick. Ich führe keine Dialoge zwischen Tür und Angel. Wenn wir beide uns zum ersten Mal treffen, frage ich nicht gleich nach dem Schlimmsten, das Ihnen in Ihrem Leben zugestoßen ist. Das macht keinen guten Eindruck. Normalerweise lernt man sich erst einmal kennen, bevor man über solche Dinge spricht. Bei Tieren respektiere ich daher, wenn sie eine bestimmte Zeit für sich brauchen, bis sie etwas erzählen wollen oder eben auch nicht. Ich lasse ihnen die Freiheit mir mitzuteilen, was sie möchten und was sie jetzt in diesem Moment für wichtig erachten.
Gibt es Unterschiede in der Art, wie sich ein Tier mitteilt? Sind sie zurückhaltend oder sprudeln die Botschaften nur so, weil endlich jemand auf Empfang steht?
Es gibt Tiere, bei denen ich einen ganz klaren Auftrag habe, nach ihrer Vergangenheit und der Vorgeschichte zu fragen. Das Tier übermittelte mir darauf, das sei nicht mehr wichtig, es ist vorbei, aber … und legte dann los. Es gibt richtige Philosophen oder Tiere, die Grund bedürfnisse äußern – die zum Beispiel sagen: Ich möchte öfter mitfahren, nicht so oft alleine sein oder ich möchte nicht eingesperrt sein.
Ein wichtiger Aspekt vor der Anschaffung eines zweiten Tieres ist, dass wir das bereits vorhandene Tier integrieren und nicht einfach sagen, das ist jetzt einfach so.
Lehnen Sie auch Anfragen ab?
Ja, und zwar solche, die in die Richtung gehen, warum liegt unser Hund nicht so gern in dem Körbchen mit der roten Decke? Ein Medialog ist mit sehr viel Energie meinerseits verbunden, wenn ich mich darauf einlasse. Ich möchte diese Tiefe beibehalten, die tiefen Zusammenhänge erkennen, und das geht nur durch eine Kontaktaufnahme, die über die Grundbedürfnisse hinausgeht. Ich arbeite deshalb in erster Linie mit traumatisierten Tieren und solchen mit so genannten Verhaltensauffälligkeiten.
Wenn jemand selbst mit seinem Tier kommunizieren möchte, welche Voraussetzungen müsste er mitbringen?
Offenheit. Es ist keine Frage von Talent oder Training. Es ist eine Mischung aus diesen beiden Komponenten. Wir sind sicher beide in der Lage, Chinesisch zu lernen. Vielleicht müssen Sie weniger Stunden Vokabeln lernen als ich. Es ist eine Frage der Geduld und des Trainings. Nur die Offenheit und der Wille, es zu lernen, müssen vorhanden sein.
Wenn ich mich nun dazu entschieden habe, diesen Weg zu gehen, wie fange ich an?
Es gibt viele Tierkommunikatoren, die ein Seminar anbieten, das Ihnen nach zwei Stunden Einführung bescheinigt, Sie können nun am Tier experimentieren. Das mache ich ganz bewusst nicht! Denn ich glaube, niemand kauft sich ein Klavier und meldet am nächsten Tag ein Konzert an. Das Instrument und die Grenzen kennen zu lernen, die Möglichkeiten mit dem erlangten Wissen umzugehen, die Kanäle sicher öffnen und schließen zu können und auch zu wissen, wie ich selbst damit umgehe, sind die Inhalte eines Basisseminars. Es zeigt Möglichkeiten und Grenzen auf, ich berichte von erlebten Dialogen, gebe Beispiele. Wer danach Lust hat weiterzumachen, kann an Workshops teilnehmen, in denen man ohne den Druck – „ich muss das können“ – miteinander lernt und übt.
Der telepathische Austausch verläuft dann nicht erst über Hund, Katze, Maus, sondern untereinander. Denn auch wir beide könnten uns telepathisch unterhalten. Durch diese Übungen lernt man den Umgang miteinander, dann geht es in die Natur und man lernt die Kommunikation mit dem Tier und mit allem, was existiert.
Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

