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Stefan Klein
Zeit – der Stoff, aus dem das Leben ist
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ZEIT – was ist das?

ZEIT – was ist das?

Fragen und Antworten aus Physik, Biologie, Psychologie und Philosophie

Die Zeit ist eines der großen Rätsel der Menschheit. Mystiker scheinen ihr enthoben, Philosophen und Naturwissenschaftler suchen nach einer Antwort. Doch die liegt letztlich womöglich in uns selbst.

Das Mysterium der Zeit

Wir können ohne nachzudenken sagen, wie spät es ist und wie alt wir sind, doch wenn wir uns ernsthaft fragen, was Zeit ist, wissen wir keine Antwort. Das stellte bereits der Kirchenvater Augustinus in seinen „Bekenntnissen“ fest: „Was ist also ‚Zeit‘? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“ Zeit scheint zu existieren, doch direkt wahrnehmen können wir sie nicht. Wir erleben Ereignisse, die stattfinden, Dinge, die sich verändern, die kommen und gehen, Menschen, die geboren werden, heranwachsen, altern und sterben. Wir können die Achsel zucken und nicken: „Das ist eben der Lauf der Zeit!“ Wir können aber auch versuchen, diesem Phänomen nachzuspüren und es zu ergründen. Es betrifft ja uns, konkret mich, der ich jetzt diese Zeilen lese und der genau damit Zeit erfährt. Zeit, die zu vergehen scheint, die mich mit jeder Sekunde älter werden und eines Tages sterben und verschwinden lässt. Doch halt! Was ist hier und jetzt wirklich der Fall? Sind hier nicht schon Gedanken im Spiel, die eben eine Zeitlinie und eine Vergangenheit und Zukunft hereinmogeln, wie selbstverständlich, und die vielleicht doch gar nicht so selbstverständlich sind? Ich möchte im Folgenden einige der Fragen und Ergebnisse der Zeitforschung aus Philosophie und Psychologie, Physik, Neurologie und Biologie kurz darstellen und zugleich immer wieder darauf hinweisen, dass alle diese Informationen doch letztlich in mir, dem jetzt gerade Lesenden „ankommen“ und „verarbeitet“ werden.

„Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“ (Peter Ustinov)

Der eigentliche Schlüssel zum Mysterium Zeit liegt in mir ganz allein. Doch das bedeutet nicht, dass ich die Fragen und die Auseinandersetzung anderer ignorieren muss. Im Gegenteil. Ist der innere Impuls da, meine Situation, dieses Dasein, verstehen, so tief wie möglich erkennen zu wollen, gehören alle Anregungen zum Feld der Forschung im Rahmen des Bewusstseins. Augustinus zum Beispiel schüttelte nicht ergeben den Kopf – „Zeit ist ein Geheimnis Gottes“ – , sondern forschte intensiv nach. Er unterschied als erster zwischen einer objektiven, physikalischen und einer subjektiven, seelischen Zeit. Doch ganz wichtig ist: Jede Information, jedes Wort, wird jetzt, in diesem Moment wahrgenommen. Und von Moment zu Moment neu. Dies ist die unmittelbare ...

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