Ayurveda im Alter – Spiritualität und Lebensstil
Wir wissen, dass wir unserer angeborenen Konstitution folgend altern, also entsprechend dem Zustand unserer sieben Dhatus (körperlichen Gewebe), der Funktionstüchtigkeit unserer 40 Agnis (Verdauungsfeuer), der 15 Haupt-Srotas (körperlichen Kanäle) und der Fähigkeit unserer drei Malas (Ausscheidungsprodukte). Folglich kümmert sich Ayurveda über die gesamte Lebensspanne um die physiologischen Funktionen von Körper und Verstand, nährt Gewebe und gleicht Bioenergien aus. Mittels Yoga und Meditation, aber auch jenseits unserer Hülle und unseres Geistes gehen wir ins tiefste „Innere“, das weiterleben wird.
Natürliche Akzeptanz
Wer Momente der kompletten Stille und des Einsseins kennengelernt hat, neigt weniger zur Altersdepression. Er hat erfahren, dass Altern nichts nimmt, sondern ein Leben sogar bereichern kann. Im Laufe des Lebens gehen wir zunächst ins Äußere, erledigen alles auf der materiellen Ebene, um uns anschließend in unser Innerstes zurückzuziehen. Das ist der natürliche Verlauf unseres Lebens – dies gilt es anzunehmen und zu akzeptieren.
Physiologisch gesehen baut sich aufgrund der Vata-Erhöhung das Gewebe im Alter schneller ab als auf. Zum einen im Muskelgewebe, aber auch in Haut und Immunsystem. Ayurveda berücksichtigt diese “Funktionseinbußen“ in seinen erhaltenden Maßnahmen: Alterung und Tod gehören wie Geburt und aktive Jahre zum Leben dazu. Wir wissen um sie und beziehen sie in unser Leben mit ein. In der westlichen Welt – viel mehr als in asiatischen Breitengraden, der Heimat des Ayurveda – sind ältere Menschen oft unglücklich, unzufrieden; sie sind verbittert, einsam, abgeschoben. Das liegt nicht zuletzt an dem hier vorherrschenden Lebensstil und daran, dass Meditation nur marginal praktiziert wird.
Eine ayurvedische Tagesroutine für ältere Menschen empfiehlt sich nicht nur für ein kraftvolles, bewusstes und lebensbejahendes Altern, sondern trägt auch zu Strukturierung und Festigung im Leben bei.
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