Buchtipps

Richard Wilhelm
I Ging, Text und Materialien
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Richard Wilhelm
I Ging, Das Buch der Wandlungen
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Ulf Diederichs (Hrsg.)
Erfahrungen mit dem I Ging
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Daoistische Lebenskunst

Daoistische Lebenskunst

I Ging, das Buch der Wandlungen

Das I Ging sagt etwas aus über die Zeit-Qualität, ob und wie wir jetzt oder später handeln sollten. Es gilt also, in freier Entscheidung den rechten Zeitpunkt für richtiges Handeln oder Abwarten zu wählen.

Das I Ging sagt etwas aus über die Zeit-Qualität, ob und wie wir jetzt oder später handeln sollten. Es gilt also, in freier Entscheidung den rechten Zeitpunkt für richtiges Handeln oder Abwarten zu wählen.

Die Grundlagen des I Ging

Die Geschichte des I Ging, des ältesten Weisheits- und Orakelbuches der Chinesen, geht etwa 5000 Jahre zurück. Erste Anfänge liegen in der Jung-Steinzeit, aus der eine Legende von der „Offenbarung“ der Linien berichtet, die der weise Herrscher Fu-hsi auf dem Rücken einer Schildkröte entdeckte. Am Beginn stand die ungebrochene ____ und die gebrochene __ __ Linie, die man für Ja und Nein bei der Orakelbefragung verwandte. Im Laufe der Jahrhunderte fanden die Weisen heraus, dass man diese Linien in vielfältiger Weise miteinander kombinieren kann. Je nachdem, ob man z. B. drei oder sechs Linien zusammenstellt, spricht man von Trigramm:

____ __ __
____ __ __
____ __ __

oder Hexagramm:

____ __ __
____ __ __
____ __ __

____ __ __
____ __ __
____ __ __

Werden die Linien untereinander ausgetauscht, kommt man zu den 64 Hexagrammen, die die Grundlage des I Ging bilden.

Zeitloses Erfahrungswissen

Im Verlauf der Jahrtausende wurden den Zeichen Bilder und Bedeutungen zugeordnet, die der Philosophie des Daoismus entsprechen. Es sind Urbilder des Makrokosmos Natur und des Mikrokosmos Mensch, wie sie von den alten Weisen „geschaut“, aus dem Transzendenten „empfangen“ wurden. Es sind zeitlose, bis auf den heutigen Tag gültige Urweisheiten, die sowohl im Osten als nun auch seit mehr als hundert Jahren weltweit Gegenstand intensiver Forschung wurden. So wird die Entdeckung als Sensation des 20. Jahrhunderts bezeichnet, dass die 64 Hexagramme mit dem genetischen Code und seinen 64 binären Strukturen (Triplets) identisch sind.
Für C.G. Jung brachte das I Ging die Bestätigung seiner Forschungen über das so genannte „kollektive Unbewusste“ und die „Synchronizität der Ereignisse“. Er sagt: „Das I Ging bietet sich nicht von selbst mit Beweisen und Resultaten an, es rühmt sich nicht, und es ist auch nicht einfach, sich ihm zu nähern. Es ist wie ein Teil der Natur, wartend, bis man es entdeckt. Es bietet weder Fakten an noch Macht, aber für die, die auf Selbsterkenntnis aus sind, auf weises Verhalten – wenn es das gibt –, für die scheint es das richtige Buch zu sein.“

Auch Hermann Hesse hat sich über Jahrzehnte mit dem I Ging beschäftigt und es im „Glasperlenspiel“ verarbeitet. Er sagt: „Man kann es als Orakelbuch benutzen, um in schwierigen Lebenslagen Rat zu bekommen. Man kann es auch nur seiner Weisheit wegen lieben. Es ist in diesem Buch ein System von Gleichnissen für die ganze Welt aufgebaut.“

Schließlich sei der buddhistische Mönch

„Oben Berg, unten Berg“ – so lautet die wörtliche Bezeichnung des I Ging-Hexagramms 52 „Der Berg“, das hier bildhaft nachempfunden ist. Es bezieht sich auf eine Situation, in der es gilt, nicht weiter vorwärts zu drängen, sondern still zu halten und sich nach innen zu wenden, um tieferen Einblick in die wahren Zusammenhänge zu gewinnen und sich für intuitive Weisungen zu öffnen.
Aspekte daoistischer Heil- und Lebenskunst: Der Kreis um das DAO-Zeichen im Zentrum symbolisiert die Verbindung von Allem mit Allem und die immerwährende Wiederholung. Alle Aspekte gründen im Dao, dem göttlichen Schöpfungsprinzip und Urgrund allen Seins, und stehen auch zueinander in Beziehung. Die chinesische Heilkunst (vgl. VISIONEN 2 und 4/05) ist eng mit den meditativen Übungswegen Qigong und Taiji quan (vgl. VISIONEN 5/05) verbunden. I Ging, Fengshui (folgt in VISIONEN 1/06), Kalligraphie und Tuschemalerei (folgen in VISIONEN 2/06 ) sind Teil der chinesischen Lebenskunst.

Lama Anagarika Govinda zitiert: „Das I Ging beruht auf keinerlei Glauben oder Aberglauben, es ist auch nicht von irgendeiner Mythologie abhängig. Es enthält Erfahrungstatsachen und psychologische Erkenntnisse, die ohne Unterschied von Rasse und Religion die ganze Menschheit betreffen. Erst jetzt nach 5000 Jahren erkennen wir die universelle Gültigkeit des Buches der Wandlungen.“

Erste
Annäherungen

Wenn man sich dem I Ging nähern will, sollte man in einer größeren Buchhandlung aus dem ständig wachsenden Angebot zu diesem Thema eine Auswahl treffen. Schon hier kann man auch der Intuition folgen, welches Buch einen am meisten anspricht.

Als ersten „Einstieg“ halte ich das Buch Erfahrungen mit dem I GING (s. Lesetipps) für besonders geeignet. Es enthält eine Zusammenstellung von bekannten Autoren, die über ihre Erfahrungen mit diesem alten Weisheitsbuch berichten. Hier begegnen wir auch Richard Wilhelm, der in jahrelanger akribischer Übersetzungsarbeit – gemeinsam mit einem alten chinesischen Meister das Werk „I Ging, das Buch der Wandlungen“ (s. Lesetipps) geschaffen hat – das nach meiner Meinung deutsche Standardwerk –, durch das man direkt mit dem archaischen, zunächst fremdartig anmutenden Text in Berührung kommt. Wilhelm erleichtert jedoch den Zugang durch entsprechende Erklärungen.

Als Einstieg genügt die kleinere Ausgabe als Taschenbuch, „I Ging, Text und Materialien“ (s. Lesetipps), ebenfalls von Richard Wilhelm, die allerdings nicht die „Kommentare“ enthält. Sobald man etwas tiefer in die Materie eingedrungen ist, kommen weitere Bücher in Frage (s. Lesetipps). In jedem Fall ist zu empfehlen, zunächst die Einleitung und die allgemeinen Erläuterungen zu lesen, denn der Text zu den einzelnen Hexagrammen erschließt sich erst, wenn man damit arbeitet.

Die Befragung des I GING

Die Befragung des I Ging kann mit Schafgarben- Stängeln oder mit Münzen durchgeführt werden. Zur Erstellung des Hexagramms mit Schafgarben-Stängeln benötigt man erheblich mehr Zeit als mit Münzen, auch ist es wesentlich komplizierter, durch das Abzählen der Stängel in der vorgeschriebenen Weise zu den Zahlen bzw. Linien zu kommen. Andererseits hat die meditative Arbeit mit diesem natürlichen Material eine ganz besondere Qualität.

Für den Anfänger ist es leichter, mit Münzen das I Ging zu befragen, es ist einfacher zu erlernen und geht schneller. Später wird man sich vielleicht gern auch die Schafgarbenstängel - Methode aneignen und sie dann z.B. für ganz besonders wichtige Lebensfragen anwenden.

Da das I Ging seinen archaischen Textaussagen entsprechend nicht mit Ja oder Nein antworten kann, muss die Frage an das Orakelbuch entsprechend formuliert werden, z. B. „Was habe ich in dieser Situation zu erwarten?“ oder „Wie soll ich mich verhalten?“ oder „Warum hat sich diese Situation so entwickelt?“

Die Durchführung einer Befragung ist kompliziert. Es ist außerordentlich wichtig, keinen Fehler zu machen, denn eine falsche Antwort kann zu tiefer Verunsicherung aber auch zu falschem Handeln führen.

Das I Ging sagt etwas aus über die Zeit- Qualität, ob und wie wir jetzt oder später uns verhalten oder handeln sollten. Unser Leben ist in ständiger Wandlung („Buch der Wandlungen“). Wenn wir uns „im Fluss der Zeiten“ bewegen, wird es weniger Hindernisse geben. Es gilt also, in freier Entscheidung den rechten Zeitpunkt für richtiges Handeln oder Abwarten, „Handeln durch Nicht-Handeln“ (Wu Wei), zu wählen.

Im nächsten Heft: Fengshui im Einklang mit
dem DAO

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