Der Vater im Märchen
Randfigur mit führender Rolle
DIE AUSGANGSLAGE.
Die meisten Märchen beginnen mit einem Familienkonflikt, einer schlechten Eltern- oder Eltern-Kindbeziehung. Positive, liebevolle Zuneigung der Eltern untereinander und den Kindern gegenüber wird kaum geschildert. Im Mittelpunkt steht der Märchenheld, die Mär chenheldin. Ihr Weg, ihre Ablösung aus der Familie, ihre Erlösung interessiert. Die Ursprungsfamilie ist das Sprungbrett, von dem sie, vorbereitet oder unvorbereitet, gezwungen werden, herab zu springen, mit allen Fragen und Ängsten.
Die Dramaturgie des Märchens bedarf einer möglichst drastisch geschilderten Ausgangssituation, um den Spannungsbogen zum beson ders glücklichen Ende zu bringen. Es reicht nicht aus, nur arm zu sein, um die Herrlichkeit der Schätze am Ende des Märchens genügend hervorzuheben: Der Vater von Hänsel und Gretel muss sich seufzend im Bett wälzen, weil er wenig zu beißen und zu brechen hat, damit am Schluss Perlen und Edelsteine in der Stube herumspringen und alle Sorgen ein Ende haben.
VATER UND SÖHNE GRIMM.
In die Beschreibung des sozialen Milieus werden die Erzähler ihre eigenen Erfahrungen und Anschauungen mit hineingelegt haben. Auch die Auswahl der Märchen sowie die Bearbeitungen durch die beiden Brüder Grimm lassen eine autobiographische Färbung vermuten. 1796 starb der Vater Philipp Wilhelm Grimm. Wilhelm (24.2.1786) war gerade erst zehn Jahre, Jacob (4.1.1785) elf Jahre alt. Es gibt nur wenige aufgeschriebene Erinnerungen an den Vater, doch sie zeugen von einem innigen, warmherzigen Verhältnis zwischen Vater und Sohn.
„Liebevolle Zuneigung zwischen Eltern und Kindern kommt in den Märchen kaum vor. Ihr Thema ist die Ablösung der jungen Helden von der Familie.“
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