Die Schönheit des nicht freien Willens
Frieden und Freiheit statt Stress und Schuld
Vertreter des nicht freien Willens
Unter Philosophen streitet man sich seit Jahrhunderten darüber, ob es einen freien Willen gibt oder nicht. Die Vertreter des freien Willens und die Vertreter des nicht freien Willens konnten sich bisher nicht einig werden. Jeder hat gewichtige Argumente für seine eigene Theorie.
Einer der einflussreichsten Vertreter des nicht freien Willens ist Spinoza, der von 1632- 1677 in Holland gelebt hat. Sein Hauptwerk Ethik gilt als eines der bedeutendsten Werke in der Geschichte des menschlichen Denkens. Seine für damalige Zeiten ungeheuerliche Aussage lautete: „Was der Mensch denkt, fühlt und wünscht, steht nicht in seiner Macht.“ Auch für viele Menschen der heutigen Zeit ist diese Aussage gelinde gesagt ungewohnt. Und weiter: „Es gibt nicht den kleinsten Platz in der Welt für etwas, das nicht so ist, wie es ist.“ Mit anderen Worten: Es gibt keinen freien Willen. Trotzdem erkannte Spinoza ganz klar: „Wir werden immer glauben, wir würden frei entscheiden. Wir werden immer glauben, wir hätten Macht über unser Leben.“ Dieser Glaube ist gemäß Spinoza unserem Nichtwissen zuzuschreiben. Die Dinge sind nicht so, wie sie zu sein scheinen. Spinoza wird noch heute an bekannten Universitäten gelehrt, u.a. an der Sorbonne in Paris.
Seit einiger Zeit befassen sich immer mehr Hirnforscher mit der Frage nach dem freien Willen. Und offenbar kommen diese Forscher – im Unterschied zu den Philosophen – zu einem allgemein akzeptierten Ergebnis: Es gibt keinen freien Willen. Diese Schlussfolgerung leiten sie aus Experimenten ab, die klar zeigen, dass in unseren Köpfen Entscheide schon gefallen sind, bevor uns dies bewusst wurde. Man könnte also sagen, es ist schon entschieden, bevor wir uns entschieden haben. Wolf Singer, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt ist der Meinung, dass sich unsere herkömmliche Vorstellung vom freien Willen nicht mehr lange halten wird.
Der nicht freie Wille bedeutet wahre Freiheit: Wer glaubt, ohne freien Willen zu sein, kann logischerweise keine Fehler machen. Wer glaubt, dass er einen freien Willen hat, muss ständig aufpassen, richtig zu entscheiden.
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