Die philosophische Praxis
Sprechstunde bei Dr. Phil
Was bietet Dr. Phil?
Ratgeber waren schon immer gefragt, doch heutzutage gibt es weit mehr Angebote als je zuvor. Jährlich erscheinen allein in Deutschland über 100.000 Bücher, die Rat geben, von Benzinsparund Gesundheitstipps über Wunscherfüllung bis zur ultimativen Freiheit durch Erleuchtung. Dazu kommen das Internet, TV, Telefondienste etc. Entspricht hier das Angebot der Nachfrage? Ich denke schon. Gerade wegen der ungeheuren Flut von Informationen fühlen sich immer mehr Menschen rat- und hilflos, sind verwirrt, glauben, keine eigene Entscheidung treffen zu können.
Dr. Phil gibt nicht Rat im Sinne des Experten, der – sei es als Arzt, Therapeut oder TV-Koch – eine Antwort parat hat, ein Rezept, eine (Glücks-) Formel. Die Philosophie hat einen eigenen, in unserer so sehr auf schnellen Erfolg ausgerichteten Zeit leider zu wenig beachteten Weg, mit Fragen und Problemen umzugehen. Der Philosoph fragt zurück, führt den Fragenden zu sich selbst, zum Ursprung der Frage.
Für die abendländische Philosophie ist Sokrates (469-399 v.Chr.) der Begründer dieser „heilenden“ Philosophie. Seine weise Art, Fragen durch Gegenfragen zu „beantworten“, bezeichnete er selbst als Mäeutik („Hebammenkunst“). Sokrates führte Menschen zu einer Selbsterkenntnis, die einer Neugeburt gleichkam. Er gibt keine allgemeinen Glaubenssätze und falsche Hoffnungen, sondern vor allem praktische Hinweise dazu, wie der Fragende die Antwort selbst bzw. in sich findet. Diesen Ansatz haben Philosophen unserer Zeit aufgegriffen. So begründete Gerd Achenbach 1981 die „Philosophische Praxis“, eine philosophische Lebensberatung als Alternative zur Psychotherapie. Er schreibt:
„In der Philosophischen Praxis melden sich Menschen, denen es nicht genügt, nur zu leben oder bloß so durchzukommen, die sich vielmehr Rechenschaft zu geben suchen über ihr Leben und sich Klarheit zu verschaffen hoffen über dessen Kontur, sein Woher, Worin, Wohin. Ihr Anspruch ist nicht selten, einmal über die besonderen Umstände, die oftmals sonderbaren Verstrickungen und den seltsam uneindeutigen Verlauf ihres Lebens nachzudenken. Kurz: Sie suchen die Praxis des Philosophen auf, weil sie verstehen und verstanden werden wollen.“
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