Serie: Die vier Charaktertypen
Teil 3: Der phlegmatische Charakter
Der Phlegmatiker leitet seinen Namen von griechisch phlegma (= Schleim) ab. Der Name hat vom ursprünglichen Wortsinn her nichts mit einer Neigung zu Faulheit und Gemütlichkeit zu tun. Manche Menschen empört es, wenn man ihnen ihren Charaktertyp erklären will und sagt, sie seien „Phlegmatiker“. Sie sind dann entrüstet und entgegnen: „Aber ich bin doch überhaupt nicht faul!“ In Wahrheit bedeutet der Begriff vom Wortsinn her „Schleimhautschwäche“.
Lernt man Phlegmatiker jedoch genauer kennen, stellt man fest, dass an dem gängigen Vorurteil manchmal doch etwas dran ist, aber das möchte natürlich keiner gerne hören. Gleichlautend wird der phlegmatische Charakter auch als zwanghaft oder rigid-perfektionistisch bezeichnet. Nicht selten findet man unter diesem Typus Menschen mit Wasch- und Kontrollzwängen, aber das ist natürlich längst nicht bei allen Menschen dieses Typs der Fall.
BEHERRSCHT, RATIONAL, VERLÄSSLICH
Praktisch alle Phlegmatiker, die ich kennengelernt habe, zeigen ein eher beherrschtes, rationales und zurückhaltendes Wesen. Bei allen findet man außerdem den Drang, dass alles geordnet, logisch nachvollziehbar und möglichst perfekt abläuft (s. Tabelle 1). Natürlich wird nicht jeder Phlegmatiker alphabetisch geordnete Gebrauchsanweisungen in Ordnern aufheben, die er zuvor in Plastikhüllen packt, aber man erlebt es doch erstaunlich oft. Wie der Sanguiniker (siehe März-Ausgabe) verabscheut der Phlegmatiker alles endgültig Festgelegte. Beim Sanguiniker beruht diese Abscheu auf einer übergroßen Freiheitsliebe als Motiv, während es beim Phlegmatiker der Drang zur Perfektion ist. Der Phlegmatiker befürchtet zu Recht, dass ein Fehler nicht mehr rückgängig zu machen ist, sobald etwas endgültig feststeht.
Oft ist der Phlegmatiker sich selbst sein größter Feind, indem ihn seine Kontrollzwänge daran hindern, frei und ungezwungen zu handeln.
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