WINTERSONNENWENDE UND RAUHNÄCHTE
Bräuche und Rituale für die dunkle Jahreszeit
Wenn bereits Anfang September Spekulatius, Lebkuchen und Stollen die Regale der Supermärkte füllen und unbegrenzte Verfügbarkeit suggerieren, wenn spätestens im Oktober die ersten Nikoläuse grüßen, mag sich mancher in seine Kindheit zurücksehnen. Voll Ungeduld hat man auf Sankt Martin gewartet, um nach dem Laternenumzug durch die Gemeinde auf Betteltour zu gehen. Die Süßigkeiten mussten ersungen werden und fanden nicht, wie heute oft üblich, ohne viel Aufwand gleich den Weg in die offene Tasche.
Dann kam Nikolaus und die bange Frage, ob denn wohl am nächsten Morgen etwas in den sorgfältig am Abend vor die Tür gestellten Stiefeln zu finden sei.
Doch während sich die einen dem alljährlichen Konsumrausch hingeben, wenden sich andere wieder traditionellem Brauchtum zu. Mit viel Liebe wird die Wohnung geschmückt, bastelt die Familie an Adventskalendern, windet Kränze oder bäckt Plätzchen. Einen weiteren Aspekt bilden Rituale und Bräuche, die wiederbelebt werden.
LICHTERBRÄUCHE
Naturgemäß war das Leben der Menschen in der dunklen und kalten Jahreszeit besonders bedroht. Das Volksbrauchtum kennt vielfältige Abwehrzauber, um Dämonen zu vertreiben und Schaden abzuwenden, sei es durch Ausräuchern und Auskehren von Haus und Hof oder durch lärmende Umzüge.
Der Vorbote der großen Lichtfeste ist St. Martin. Am 11. November ziehen ihm zu Ehren Kinder mit ihren Laternen in Prozessionen durch die Gemeinden. Zu St. Andreas am 30. November starten in vielen Gegenden lärmende Umzüge, die das Böse von Heim und Feld vertreiben sollen und die sich an den folgenden Donnerstagen bis zur Mittwinternacht am 21. Dezember wiederholen. Bis ins 9. Jahrhundert hinein markierte dieser Tag das Ende des Kirchenjahres. Seit dieser Zeit ist der 30. November auch mit Jahresend- und -anfangsbrauchtum verbunden.
Im 16. Jahrhundert wandelten sich viele der lärmenden Umzüge in so genannte Heischegänge, bei denen Kinder um kleine Gaben bettelten.
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