Kinder und Computer

Kinder und Computer

Computerspiele schaden Kinder-Hirnen

„Computerspiele produzieren eine gewaltanfällige Generation von Kindern“ – und zwar nicht nur wegen ihrer „ansteckenden“ Inhalte, sondern allein schon wegen ihrer technisch bedingten Wirkung auf das kindliche Gehirn: Sie stören genau die Entwicklung der Gehirnregion, die für die Verhaltenskontrolle wichtig ist.

COMPUTERSPIELE UND GEHIRN-ENTWICKLUNG

Computerfirmen und Anwender preisen die Fähigkeit zu komplexem Denken, die durch Computerspiele angeblich entwickelt wird. In Wirklichkeit verbreiten sie unter diesem Deckmantel die so populär gewordenen aggressiven Gewaltspiele. Tracy McVeigh vom englischen Observer veröffentlichte bereits 2001 eine beunruhigende Studie über den Zusammenhang zwischen Com puterspielen, Gehirnentwicklung und Aggression, die seither nichts von ihrer Bedrohlichkeit verloren hat.

„Computerspiele produzieren eine verblödete Generation von Kindern, die für Gewalt ungleich anfälliger sind als ihre Eltern.

Die Neigung zu unkontrolliertem Verhalten ist nicht darauf zurückzuführen, dass Kinder die Gewalt, die in den Computerspielen steckt, gewissermaßen absor bieren, wie man bisher annahm, sondern auf den Schaden, den das sich entwickelnde Gehirn erleidet.

Prof. Ryuta Kawashima von der Tohoku Universität in Japan, Experte auf dem Gebiet der Gehirnkartographie, hat mit seinem Team unter Einsatz neuester Technologien die Gehirnaktivität einiger hun dert Nintendo spielender Teenager untersucht sowie die Gehirnakti vität einer Kontrollgruppe, die einfache, gleichförmige arithmetische Aufgaben zu lösen hatte. Zu ihrer großen Überraschung zeigte sich, dass durch das Computerspiel lediglich Computerspiele schaden Kinder-Hirnen „Computerspiele produzieren eine gewaltanfällige Generation von Kindern“ – und zwar nicht nur wegen ihrer „ansteckenden“ Inhalte, sondern allein schon wegen ihrer technisch bedingten Wirkung auf das kindliche Gehirn: Sie stören genau die Entwicklung der Gehirnregion, die für die Verhaltenskontrolle wichtig ist. die für Sehen und Motorik verantwortlichen Gehirnareale aktiviert wurden, während die durch Arithmetik stimulierten Gehirne Aktivität in beiden Gehirnhälften des Frontallappens aufwiesen – dem Bereich, der hauptsächlich mit Lernen, Gedächtnis und Emotion in Verbindung steht.

Am beunruhigendsten jedoch war die Tatsache, dass die Entwicklung des Frontallappens, der sich im Menschen bis zum Alter von etwa zwanzig Jahren weiterentwickelt, auch für die individuelle Ver haltenskontrolle eine wichtige Rolle spielt. Kinder tun oft Dinge, die sie nicht tun sollten, weil die Frontallappen noch nicht voll entwickelt sind.

Computerspiele behindern die Entwicklung des Frontallappens und dessen Fähigkeit, potenziell anti-soziale Verhaltensweisen zu kontrollieren.

Die Implikationen sind für eine zunehmend gewaltanfällige Gesellschaft äußerst bedrohlich.“ (The Observer, 19.8.2001)

COMPUTERSPIELE SIND KEINE ECHTEN SPIELE

Schon vor Jahren äußerte der kanadische Medientheoretiker und Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan, dass das Medium selbst die eigentliche Botschaft sei („Das Medium ist die Botschaft“, Interviews, Hrsg.: Martin Baltes u.a., Dresden, 2001).

Die Maschine, nicht der Programminhalt bestimmt, welche Gehirnbereiche zum Einsatz kommen, während man sich mit technologischen Errungen schaften beschäftigt, sei es ein Drillbohrer, ein Computer oder der Fernsehapparat..

Das Gehirn reagiert auf technologische Reize stets mit den gleichen neuronalen Mustern. Bei jeder neuerlichen Begegnung läuft gewissermaßen das gleiche „Neuronenprogramm“ ab.

Der Inhalt eines Programms hat während der kritischen Entwicklungsphasen so gut wie keinen Einfluss auf das Wachstum des Gehirns und seine Entwicklung.

Bei der ersten Begegnung, die noch mit Spiel einhergeht, lernt das Kind etwas – es lernt den Umgang mit dem Fernseh apparat. Eine Interaktion findet statt. Das Spiel dauert ein paar Minuten, gerade lang genug, um eine Beziehung mit dem unbe kannten Objekt zu erstellen, was zunächst die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit beansprucht, die ja das charakteristische Merk mal echten Spiels ist. Ist die Beziehung jedoch einmal hergestellt, und hat die hiermit verbundene Stimulierung und Entwicklung von Neuralfeldern stattgefunden, ist der Spielaspekt an dieser Beschäftigung beendet und wird durch Unterhaltung ersetzt. Unterhaltung verlangt sehr wenig Aufmerksamkeit verglichen mit dem umfassenden Training, das mit Spiel einhergeht.

Konkret bedeutet dies für die Entwicklung des Gehirns, dass keine einzige der durchschnittlich 5000 Fernsehstunden, die ein fünfjähriges Kind in den USA vor dem Fernsehapparat verbringt, einen weiteren Lerneffekt auslöst. Was geschieht, ist lediglich die x-te Wiederholung der am Anfang gemachten Lernerfahrung. Das ist die eigentliche Krux in Bezug auf die Entwicklung des Gehirns bis zum zehnten, elften Lebensjahr. Um es noch einmal zu wie derholen: Unterhaltung ist nicht Lernen. Spiel kann allerbeste Unterhaltung sein. Unterhaltung hingegen ist nicht Spiel.

FERTIG-BILDER TÄUSCHEN DAS GEHIRN

Wir dürfen ebenfalls nicht übersehen oder vergessen, dass Computer, Fernsehen und Videospiele „bild-erstellende“ Systeme sind. Die vorgefertigten Bilder, die sie liefern, sind sozusagen Fälschun gen, denn sie täuschen das Gehirn mit Bildern, die dieses selbst herzustellen lernen sollte.

Innere Bilder stellen das Betriebssystem des Gehirns dar. Das Gehirn kommuniziert Informationen vermittels von Bildern.

Falsche, weil vorgefertigte Bilder täuschen die emotionalen, kognitiven und sensomotorischen Bereiche des Gehirns. Die älteren Pri märstrukturen des Gehirns können nicht zwischen natürlichen, vom Gehirn selbst erstellten Bildern und nachgeahmten unterscheiden. Diese Gehirnzentren reagieren einfach auf den Stimulus – in diesem Fall das Bild – und halten diesen Reiz für ein echtes, d.h. selbst erstelltes Bild. Für diese Gehirnzentren sind die Bilder auf dem Fernsehschirm wirkliche Bilder

PHANTASIE STÄRKT KINDER-HIRNE

Spiel ist das Wesen der Phantasie; es ist das freie, offene Spiel von Geist und Körper, das der Imagination ihre Bedeutung verleiht.

Kinder, die Spiel und Vorstellungskraft entwickelt haben, sindweniger aggressiv und gewalttätig als Kinder, die beides nicht entwickelt haben.

Die Eigenschaften, die wir an unseren Kindern ja eigentlich so schätzen: Neugier und Spielfreude, Expe rimentierbereitschaft, Flexibilität, Humor, Offenheit für neue Ideen und andere Vorstellungen, lebenslange Wissbegierde –, haben alle mit der Kraft der Vorstellung, mit Phantasie zu tun. Immer wenn wir mit diesen Eigenschaften auf ein Kind zugehen oder uns der Welt stellen, stärken und entwickeln wir sie.

Unseren Kindern eine ihrem Alter entsprechende Lek türe vorzulesen, während der Mahlzeiten mit den Kindern zu reden, ihnen eigene Kindheitsgeschichten zu erzählen oder zusammen mit ihnen Geschichten zu erfinden, sich einen Ausflug auszudenken:

Jedweder Gebrauch beschrei bender Sprache, die innere Bilder erzeugt, Information mitteilt und neue Möglichkeiten „herbeiträumt“, erweitert das Vorstel lungsfeld und alles, was es enthält, und ist eine enorme Hilfe.

Text mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: Michael Mendizza / Joseph Chilton Pearce , Neue Kinder – neue Eltern, Die Kunst spielerischer Elternschaft und die Intelligenz des Spiels,

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