„Spielen öffnet die Seele“

„Spielen öffnet die Seele“

Werden wie die Kinder – die Liebe wiederfinden

Spielen ist der Schlüssel zu einer heil(ig)en Welt, wo die Ich-Grenzen schwinden und ein Gefühl intensiver Zugehörigkeit entsteht. Meist haben wir vor lauter „erwachsenen“ Alltagspflichten den Zugang dazu verloren – und damit oft auch zu unseren Kindern. Der weltweit anerkannte Spielforscher O. Fred Donaldson lädt (nicht nur) Eltern dazu ein, den Weg des Spielens neu zu entdecken.

IM KLEINEN DAS GROSSE FINDEN.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal am ersten Sommertag zur Tür des Bauernhofs meines Onkels hinaushüpfte und die ganze Situation, die vor mir lag und für mich nicht zu entziffern war, in mich aufnahm.

Mir blieb nur wenig Zeit, um aus der Reichweite der Welt der Erwachsenen zu entwischen, um jenseits jenes Bereichs zu gelangen, in dem ich gesehen und gerufen werden konnte. Ich rannte hierhin und dahin, wie meine Mutter zu sagen pflegte, und begrüßte die vier Pferde, die sich im Hof vor dem Stall befanden. Buster, der Bernhardiner, sprang neben mir in den hohen grünen Maispflanzenreihen her. Ich wollte überall zugleich sein. Ich verließ das Haus nicht mit irgendwelchen Plänen oder Erwartungen, sondern begegnete dem Tag wie einem Abenteuer und kam mit dem aus, was gerade zur Verfügung stand – ich spielte mit den Fröschen im Teich des Bauernhofs, jagte die Pferde den Feldweg hinunter, erforschte den alten Dienstwagen im Wald. Ich verstand es, nichts zu tun. Der Bauernhof war so sehr Teil von mir, wie ich Teil des Bauernhofs war. Gegen Mittag hörte ich das Läuten der großen Essensglocke, die an einem Pfosten außerhalb der Küchentür hing. Ich schlenderte heim zum Mittagessen, blieb auf dem Weg stehen, um noch ein klein wenig zu spielen, bis ich schließlich an der Tür des Vorraums ankam.

„Beeil Dich und geh Dich für das Mittagessen waschen. Wo bist Du gewesen?”

„Nirgends.”
„Mit wem warst Du unterwegs?”
„Mit niemandem.”
„Was hast Du gemacht?”
„Nichts.”

„Weißt du, Fred: Spielen ist, wenn wir nicht wissen, dass wir verschieden voneinander sind.“ (David, 5 Jahre)

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