ARCHÄOLOGIE: Juden zur Römerzeit in Österreich

Mai 2008

ArchäologInnen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien entdeckten im Gräberfeld in Halbturn in einem römischen Kindergrab aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. ein Amulett, das mit einer jüdischen Gebetsformel beschriftet ist. Bei dem 2,2 Zentimeter langen Goldblech handelt es sich um das älteste Zeugnis jüdischen Lebens auf heute österreichischem Boden. Dieses Amulett ist ein Hinweis, dass bereits in der römischen Kaiserzeit Menschen jüdischen Glaubens in diesem Raum lebten. Als bisher früheste Zeugnisse jüdischer Präsenz innerhalb der heutigen Grenzen Österreichs galten mittelalterliche Briefe aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. In jenen Teilen der Provinz Pannonien, welche heute zu Ungarn, Kroatien und Serbien gehören, zeugen Grabsteine und Kleinfunde davon, dass Juden schon im Altertum hier ansässig waren. Spätestens seit dem 3. Jahrhundert vor Chr. siedelten Juden in allen Teilen der antiken Welt – es entwickelte sich die so genannte Diaspora. Insbesondere nach dem zweiten jüdischen Krieg gegen das Römische Reich verkaufte das siegreiche Rom Juden in großer Zahl als Sklaven in alle Teile des Weltreichs. So oder durch freiwillige Migration sind Juden auch in das heutige Österreich gekommen. Das Goldblech von Halbturn ist ab 11. April 2008 im Rahmen der Ausstellung „Die Bernsteinstraße – Evolution einer Handelsroute“ im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt zu besichtigen.

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