Kultur: Der Papst, Mozart und der Islam
Immer stärker und häufiger fürchten sich westliche Kulturvertreter und Künstler davor, in ihren Äußerungen bzw. Werken irgendetwas zu präsentieren, was in der islamischen Welt zu hasserfüllten Protesten führen könnte. Nun ist aber unsere Kultur nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit dem Islam gewachsen, und dementsprechend gibt es viele Berührungspunkte, die sich auch in der Kulturgeschichte zeigen. Papst Benedikt hat mit seinem Zitat eines byzantinischen Kaisers mutig daraufhin gewiesen, dass es bereits im Mittelalter nicht nur kriegerische, sondern auch offene geistige Auseinandersetzungen zwischen Christentum und Islam gab. Kann das nicht auch heute wieder möglich sein? Nun, im November sollte in Berlin die Mozart-Oper „Idomeneo“ aufgeführt werden. In der umstrittenen Inszenierung präsentiert der König von Kreta – am Sinn des Lebens und der Religionen zweifelnd – die abgeschlagenen Köpfe von Buddha, Jesus, Poseidon und…Mohammed. Die Intendantin setzte die Oper aus Sicherheitsgründen ab. Es hagelte Proteste von Politikern, ja sogar von türkischen Gruppen in Berlin. Demnächst wird die Oper doch noch – unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen – aufgeführt. Vielleicht sollte Mohammed durch einen politisch harmlosen Kandidaten wie Zarathustra ersetzt werden? Steht und fällt die Mozart-Oper denn wirklich durch eine solche, doch ziemlich extreme szenische Idee?

