Der Winter ist für Loreena McKennitt eine Zeit der Reflexion
Was fasziniert Sie so sehr am Winter, dass Sie ihm bereits das zweite Album gewidmet haben?
Ich finde, es ist eine besondere Jahreszeit, in psychologischer und spiritueller Hinsicht. Besonders für Menschen, die in der nördlichen Hemisphäre leben. Wenn die Tage kürzer werden und die Dunkelheit damit die Oberhand gewinnt, ist das traditionell eine Zeit der Reflexion. Ich hoffe, meine Musik transportiert das. Hinzu kommen die großen spirituellen Feste in dieser Jahreszeit, hier besonders natürlich Weihnachten. Gerade dieser Anlass spielt in der Musik eine große Rolle. Deshalb interessiere ich mich sehr für die verschiedenen Formen der Weihnachtsmusik unterschiedlichster Kulturen.
Wie haben Sie die Stücke für das Album ausgewählt? Es sind sowohl Traditionals als auch eigene Sachen darauf.
Stimmt. Manchmal habe ich aber auch nur einen neuen Text geschrieben, wie bei The Holly & The Ivy. Dann habe ich mich von einem Gedicht mit dem Titel Snow (Schnee) von einem kanadischen Dichter inspirieren lassen. Das Stück hatte ich schon mal veröffentlicht, als ich 1995 The Winter Garden einspielte. Wenn ich nach Musik suche, dann interessiert mich die Vielfältigkeit der Harmonien, Stile oder Tonlagen. Manche davon haben eine christliche Weltsicht, andere thematisieren einen eher heidnischen Bezug zu dieser Jahreszeit. Gloucestershire Wassail ist ein gutes Beispiel für eine alte englische Tradition. Die Leute gehen dabei von Haus zu Haus und singen Lieder, vergleichbar mit dem Adventssingen am Stefanitag. Bei diesem CD-Projekt speziell ist es eine Mixtur aus christlichen und nicht-christlichen Liedern. Gerade bei den christlichen Stücken finden sich in der Ikonographie und in den Metaphern, die ich verwende, Hinweise auf vorchristliche Wurzeln.
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