Portrait: Javier Sierra
Historienkrimi über Leonardo da Vincis Geheimnisse
Was gab den Ausschlag, einen Thriller über Da Vincis „Abendmahl“ zu schreiben?
Während der Recherche an einem Buch über Napoleons Expeditionen nach Ägypten ging mir auf, wie sehr altägyptische Traditionen die westliche Welt beeinflusst haben. Speziell in der Renaissance und im 19. Jahrhundert zur Zeit Napoleons. Darüber wollte ich unbedingt schreiben. Also fing ich an, Informationen zu diesem Thema zu sammeln, und kam irgendwann auch auf Leonardos Abendmahl. Für mich wurde deutlich, dass dieses Bild nicht völlig verstanden worden ist. Das reizte mich, und ich begann mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich wollte hinter die Geheimnisse kommen. Das war so um das Jahr 2000 herum, also bevor dieses Da Vinci-Fieber losging.
Aus Dan Browns Da Vinci Code haben wir gelernt, dass Leonardo Maria Magdalena in seinem berühmten Bild versteckt haben könnte. In Ihrem Roman erfahren wir, dass es viele weitere Geheimnisse in dem Gemälde zu entdecken gibt.
Der weibliche Charakter einer der Figuren hat bei mir eine ganz andere Interpretation. Dank der Kunstgeschichte wissen wir mit Sicherheit, dass viele Maler während der Renaissance Frauen als Modell nahmen, um Johannes zu portraitieren. Das war ihre Art, Reinheit auszudrücken. Dafür bevorzugten sie Mädchen, weil sie meist feinere Züge aufwiesen als Jungs. Für mich steht es außer Frage, dass auf dem Bild Johannes und nicht Maria Magdalena zu sehen ist. Wenn wir die andere Variante annehmen würden, müssten wir uns doch fragen, „Und wo ist Johannes auf diesem Bild?“ Da müsste ja eine weitere Person mit abgebildet sein.
Sie erwähnen im Buch, dass Leonardo den Knoten im Tischtuch als Hinweis auf Maria Magdalena verstanden wissen wollte.
Stimmt. Leonardo hatte großen Spaß an versteckten Symbolen. Der Knoten war seine Signatur. Zu seiner Zeit signierten die Künstler ihre Werke noch nicht. Der erste, der das tat, war Michelangelo. Vor ihm war das nicht üblich. Damals nutzte man Symbole oder Selbstdarstellungen, um ein Bild zu „signieren“. Das heißt, man stellte sich selbst als einen der Charaktere auf dem Gemälde dar. Und genau das hat Leonardo ebenfalls auf dem Abendmahl getan.
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