Wenn es etwas Heiliges gibt, dann ist es die Erde selbst

Wenn es etwas Heiliges gibt, dann ist es die Erde selbst

Interview mit Frederica de Cesco

Über fünfzig Romane für Erwachsene und Jugendliche hat Frederica de Cesco schon veröffentlicht. Darin verarbeitet die mit dem japanischen Fotografen Kazuyuki Kitamura verheiratete Italienerin oft Geschichten, die bei Nomaden, Indianern, in Tibet oder Japan spielen. Wir trafen die Wahlschweizerin kürzlich zu einem Gespräch.

In Ihren Büchern spielen sehr oft Nomadenvölker und Indianer eine wichtige Rolle, deren Kultur und Spiritualität Sie in die Handlung mit einfließen lassen.

Oh ja. Aber der Glaube ist bei mir meist sehr animistisch geprägt, weil Japaner ja ursprünglich Animisten sind. Als ich kürzlich mit einem Filmteam in Japan war, standen wir vor einem buddhistischen Tempel. Die Crew meinte: „Sie sind doch Buddhistin, jetzt gehen Sie doch mal da rein und beten Sie.“ Als ich dann meinte: „Ich bin keine Buddhistin“, fragten sie ganz entrüstet zurück: „Ja, was sind Sie dann?“ Ich bin Animistin. Ich nehme mir aus einer Religion das, was mir gefällt, und alles andere kann mir gestohlen bleiben. Wissen Sie, ich finde, der Animismus ist das effektiv Heilige, wenn man das so sagen kann. Es gibt kein heiliges Buch, denn das Heilige ist ...

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

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